Um fundamentalistische Familienmodelle ausgebreitet zu bekommen, braucht man sich nicht den Wahlkampf der US-Republikaner anzutun oder iranische Regierungspropaganda zu lesen, es genügt ein Blick in deutsche Zeitungen. Wer glaubt, Familie bezeichne schlichtweg eine Lebensgemeinschaft von Menschen oder sei dort, wo Kinder sind, wird von konservativen Hardlinern belehrt: “Familie ist Vater, Mutter, Kind,” sagt CSU-Politiker Thomas Goppel in diesem Interview mit der Mainpost.
Dieses Dogma ist nichts Neues. Interessant ist aber, wie sehr sich Goppel im gleichen Interview selbst widerspricht. Er geht zunächst mit den Medien hart ins Gericht, die die “Unübersichtlichkeit” der Welt- er meint damit wohl die de facto vorhandene Vielfältigkeit der Lebensentwürfe – anerkennen und abbilden. Das klassische Familienmodell wird immer seltener – Goppel aber will ”Patchwork, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Partnerschaften auf Zeit” nicht als Familien anerkennen, denn diese “Unübersichtlichkeit” mache “auf Dauer den Staat kaputt”.
Das ist so krude, dass die Mainpost sich die Frage erlaubt, ob Goppel von gestern sei. Er antwortet, “Im Mittelpunkt aller politischen Bemühungen steht der Mensch. Um diesem Prinzip Geltung zu verschaffen, brauchen wir einvernehmliche Grundsätze – auch heute, sonst funktioniert das nicht.”
Klingt harmlos, meint aber das Gegenteil: Nicht die Menschen und ihre selbstgewählten Lebensweisen stehen wirklich im Mittelpunkt, sondern nur diejenigen, die sich dem überkommenen Familiendogma “Vater-Mutter-Kind” unterwerfen. Ein Widerspruch wie: Ich liebe Euch doch alle – außer die, die ich hasse. Danke an Thomas Goppel für soviel Klarheit.