Buch: HomoBlocker

„Lassen Sie ihre Kinder zu besseren Menschen werden – Schöner, Schlauer und Gesellschaftsfähiger!“ Der Satz könnte ein Werbeslogan sein für den Neurotransmitter der in der Umgangssprache der Zukunft nur der HomoBlocker genannt wird und Namensgebend für Peter Rauschs Roman ist.

HomoBlocker“ spielt in einer nahen Zukunft in der Menschen von ihrer Homosexualität „geheilt„ werden können durch ein Medikament, Anfangs nur präventiv Kinder während der Schwangerschaft der Mutter später auch Erwachsene. In dieser Welt gibt es eine Ort für jene die sich nicht Blocken wollen, das Hibaré.

Der Roman erzählt das Leben der Gemeinschaft rund um das Hibaré in einer angepassten Welt, wo Leistung, Schönheit und Normalität die höchsten Werte zu sein scheinen. Buch: HomoBlocker weiterlesen

Buch: Alltägliche Ekstase – Tantra Rituale für alle Leidenschaft

Ich habe mich vor einiger Zeit mit dem Thema Tantra beschäftigt, habe Kurse besucht und einiges an Literatur gelesen. Aber so recht hat mir das, was ich da gelesen und erfahren habe, nie gefallen. Tantra lebt in diesen ganzen Gebieten von der Geschlechterdynamik von Mann und Frau und ist unheimlich esoterisch aufgeladen. Da ist die Rede von Shiva und Shakti als Mann und Frau. Oder vom Becken der Frau oder von der Vagina, je nach Art des Tantras heißt diese Yoni, Lingam wird der Penis genannt und es gibt jede Menge andere Namen, die dem ganzen einen esoterischen Hauch geben.

tantra2

„Alltägliche Ekstase“, geht einen anderen Weg. Die Autorin redet von Muschi, Schwänzen und Ficken  erfrischend offen. Etwas „Esosprache“ ist noch drin, aber dies liegt in der Natur der Sache und ist für mich erträglich.

Das Buch ist für jeden gedacht, egal welches Geschlechts oder welche Vorlieben das lesende Menschlein hat. Der Begriff Mann oder Frau wird bewusst vermieden, das Buch soll für alle Gender und Sexualitäten sein. Buch: Alltägliche Ekstase – Tantra Rituale für alle Leidenschaft weiterlesen

Comic: Anything That Loves

Gute Comics über Bisexuelle, Pansexuelle und Nicht-Monosexuelle Menschen gibt es nicht viele.

Die englischsprachige Comicsammlung „Anything That Loves: Comics Beyond ‘Gay’ and ‘Straight’“ ändert dies und ist meiner Meinung nach ein muss für Liebhaber von bunten Bildergeschichten, vor allem wenn jemand sich selbst irgendwo in dem Spektrum bewegt.

tumblr_inline_mrgdaj86yg1qz4rgp

Der „nicht-sehr-bisexuelle“ Zan Tensen stellte sich die Frage: „Könnte die Weigerung,  die Existenz der Bisexualität anzuerkennen eine Ursache von Homophobie sein? “ Comic: Anything That Loves weiterlesen

Coming-out – und dann …?!

Das Deutsche Jugendinstitut untersucht Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Hier geht’s zu mehr Infos und zur Online-Befragung: http://www.dji.de/index.php?id=43441

Visi-Bi-Lity beim CSD in Nürnberg

Am 2. August 2014 fand in Nürnberg der 17. CSD statt und zum ersten Mal gab es einen Beitrag zum Thema Bisexualität: Immerhin zwei Aktivisten nahmen mit einer Bi-Vespa an der Demo teil.

Herbert und ich haben uns über die Bamberger Bi-Gruppe kennengelernt, die es seit einem Jahr gibt (wer mehr über unsere Gruppe erfahren will, kann hier weiterlesen – BiJou, 29. Ausgabe, Seite 26, http://bine.net/sites/default/files/bijou29.pdf ). Herbert versucht in Nürnberg einen Bi-Stammtisch zu gründen. Wir haben uns deshalb nicht nur beim CSD gezeigt, sondern auch Werbung für Bi-Gruppe und -Stammtisch gemacht.

Für mich war es das erste Mal, dass ich mich bei einer Demo als Bi-Mensch zu erkennen gegeben habe. Auf der Fahrt nach Nürnberg hatte ich kurz noch einmal Zweifel, ob ich das wirklich tun sollte: Was will ich eigentlich damit zum Ausdruck bringen? Und warum muss ausgerechnet ich mich öffentlich als Bi-Mensch zeigen, während sich die meisten anderen im Verborgenen wohl fühlen. Als ich dann bei Herbert ankam und sein liebevoll mit den Bi-Farben geschmücktes Moped sah, war das alles weg. Und so reihten wir uns zwischen lesbischen Lehrerinnen und einer schwulen Theatergruppe, die sich lautstark und ohrenbetäubend mit Trillerpfeifen bemerkbar machte, im CSD-Zug ein.

Die Stimmung war gut und ausgelassen und wirkte auf mich wie eine entspannte Mischung aus Familienfest und Karneval. Die Schwulen und Lesben haben uns sehr freundlich und respektvoll aufgenommen und als Bereicherung begrüßt.

Natürlich gab es die eine oder andere Bemerkung, die nachdenklich stimmen könnte: „Ach, ihr seid also die Doppelstecker!“ „Was sind das denn für Farben, euch fehlt ja ein Teil des Regenbogens!“ Aber das war nicht ernsthaft oder provozierend gemeint und ich habe es mit Humor genommen. Für Schwule und Lesben sind wir oft genauso exotisch und befremdlich wie für Heteros. Das habe ich schon öfters erfahren und ich kann das ertragen, ohne mich ausgrenzt zu fühlen. Denn für mich ist immer klar: Wir Bi-Menschen lassen uns nicht auf mechanische Körperfunktionen reduzieren und uns fehlt auch nichts – im Gegenteil. Falls es überhaupt Menschen mit Defiziten geben sollte, dann sind das wohl eher diejenigen, die sich in ihrer Monosexualität eingerichtet haben, weil sie Angst vor neuen Erfahrungen haben oder weil sie sich nicht vorstellen können, wie aufregend und prickelnd das Leben ist, wenn man Frauen und Männer gleichermaßen lieben kann.

Insgesamt war der CSD für mich eine sehr positive Erfahrung. Es war ein geiles Gefühl, mich als Bi-Mensch aufrecht und erhobenen Hauptes in der Öffentlichkeit zu bewegen. Das macht stark und Lust auf mehr.

Diesmal waren wir nur zu zweit, aber das ist auf jeden Fall besser als gar nichts. Und vielleicht gibt es ja nächstes Jahr noch mehr Mutige und Entschlossene.

Wer bei der Bamberger Gruppe oder dem Nürnberger Stammtisch mitmachen will, ist ganz herzlich eingeladen. Das gilt insbesondere auch für diejenigen, die ungeoutet sind und es auch bleiben wollen. Wir respektieren das und unsere Treffen laufen dementsprechend diskret ab, weil jeder Bi-Mensch selbst entscheiden sollte, wie er damit umgehen möchte. Man muss sich auch nicht politisch betätigen oder in der Öffentlichkeit agitieren, um bei uns dabei zu sein. Wenn wir uns treffen, geht es eher um Erfahrungsaustausch, Selbstfindung oder einfach darum, einen netten Abend mit lieben Freunden zu verbringen.

Möchtest du mit uns in Kontakt treten? Dann schreib einfach eine E-Mail an:

Herbert (Nürnberg) – biinnbg@gmx.de

 

oder an:

Nora (Bamberg) – biinba@gmx.de

Liebe Bi-Grüße an alle Menschen, die Menschen lieben.

 

Wolli

Bamberg, 8. August 2014

 

 

BiBerlin Camp 2014

Am 20. und 21.September, dem Wochenende vor dem Bi Visibility Day, findet im Sonntags-Club in Berlin-Prenzlauer Berg eine offene Konferenz rund um das Thema Bisexualität statt – das BiBerlin Camp 2014. Es ist bereits das dritte Camp dieser Art in Berlin. Beginn ist jeweils um 11:00, Ende 18:00, die Veranstaltung ist kostenlos.

Eingeladen sind alle die sich für Bisexualität interessieren, egal ob Freund_innen, Kritiker_innen, Neugierige oder Bisexuelle. Wir wollen mit Euch über die verschiedenen Aspekte, Lebens- und Sichtweisen dieser sexuellen Orientierung diskutieren. Besonders freuen wir uns über junge Leute, die Lust haben, sich aktiv mit queeren Themen und Bisexualität auseinanderzusetzen. Da wir  Wert auf einen respektvollen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander legen, wird es Awarenessregeln geben.

 

Anmeldung und weitere Infos unter http://berlin.bine.net/biberlin-camp-2/

Tolerant? Sind wir selber

Die Heinrich Böll Stiftung hat eine Reihe von ironischen Videos online gestellt mit der Überschrift: „Tolerant? Sind wir selber.“ Die Autorin Dr. Carolin Emcke und die Regisseurin Angelina Maccarone haben kurzen Momentaufnahmen von Situationen geschaffen die mit Ironie und Augenzwinkern die eigene Toleranz hinterfragen sollen.

Ich fand, als Mensch der sich als queer und bisexuell definiert, die Videos doppelt spannend, einerseits weil ich die Motive der Autorin verstehen kann, anderseits aber ähnliche Ablehnung von homosexuell lebenden Menschen erlebt habe. Für bisexuelle, pansexuelle und nicht monosexuelle Menschen ist es ein tolles Statement und hat eine andere Wirkung auf homo- und heterosexuelle Menschen. Ich glaube nicht, das dies im Sinne war, der Autorin und der Regisseurin, da leider auf der Seite der Stiftung nur Homo-,Trans- und Intersexuelle erwähnt werden und Bisexuelle – wie so oft – nicht.

Die Videos sind tragisch und ironisch zugleich, wenn man sich zwischen den Spektrum von Homo- und Heterosexualität bewegt.

Ich wünschte mir, das bei solchen Projekten auch bisexuelle Menschen einbezogen werden. Den die Frage: “Tolerant? Sind wir selber”,  muss sich dann auch die Macher und die Stiftung fragen, wenn sie einen Teil von LSBT vergessen.

Liebe kennt kein Geschlecht – Polyamory

Es gibt wenige Themen, die so stark unter Bisexuellen polarisieren wie das Thema Polyamory. Ich erinnere mich an viele Diskussionen, in denen man sehr genau versuchte, sich zwischen Bisexualität und Polyamory abzugrenzen. Einige meinten, das Polyamory etwas sei, das getrennt betrachtet werden muss von Bisexualität. Ich finde es schade, denn alle Bisexuellen, Pansexuellen und Nicht-Monosexuellen, die sich zugleich als polyamor sehen, sind ein Teil der bunten Gemeinde.

Was genau ist das, dieses “Polyamor”?

Nicht jede/r möchte monogame Beziehungen führen, und vielleicht liegt dir eine polyamore Beziehung eher. Der Name bedeutet so viel wie “viele-Lieben” – also mehr als eine/n Partner/in zu haben, und alle Beteiligten wissen darüber Bescheid. Wenn jemand so leben will, braucht es viel Zeit und Rücksicht, und jede/r Partner/in muss offen und ehrlich kommunizieren und die jeweiligen Limits der anderen verstehen und respektieren.

Was mir gut an der polyamoren Liebe gefällt, ist die Ehrlichkeit. Jeder weiß von den anderen Partner, es gehört sicher viel Arbeit dazu und auch manche Eifersuchtsattacken und Gefühle müssen ausgehalten und reflektiert werden.

Ich kenne einige Menschen, die polyamor leben. Es ist ein Lebensentwurf, den ich für mich zur Zeit nicht teile; aber ich kann es verstehen und nachvollziehen, dass es dies gibt. Manche sind glücklich damit, andere weniger. Es kommt wie in jeder Situation immer auf den Menschen an, der dies lebt.

In Diskussionen wird immer wieder unterstellt, dass bisexuelle Menschen eigentlich auch zugleich polyamor sind. Das glaube ich nicht. Polyamory ist eine Lebensweise, eine Einstellung und ein Wunsch nach einer bestimmten Form von Beziehungen. Polyamor ist auch mehr als “Ich habe einen Partner und eine Daueraffäre mit der ich mich zum Sex treffe”; es sind mehrere Menschen, die zusammen eine Beziehung führen. Die Partnerschaften können gleichberechtigt sein, oder eine Partnerschaft kann mehr Bedeutung haben als eine andere.

Manchmal erscheint es mir, als sei Polyamory in der Bi-Szene üblicher – aber ich glaube, das liegt nur daran, dass die Menschen hier eher dazu stehen, nicht nur bisexuell, sondern auch polyamor zu sein. Wenn man genauer hinschaut, scheint es gar nicht so, dass viele Bisexuelle poly sind oder gerne wären.

Back To The Shore – love and let love

Manche finden das Video ganz schlimm kitschig, aber ich finde  es toll und könnte nach dem Sehen immer die ganze Welt knuddeln. Deshalb fest verlinkt damit sich Alle hier geknuddelt fühlen, besonders Kerstin – Sie kontrolliert meine Texte für den Blog.

 

Biologismus trifft Religion – Meinungsmache gegen Selbstbestimmung

Eigentlich hat es mich gewundert, dass die Deutschen bisher so nett waren und nicht schon lange ihren Volkszorn gegen Lesben und Schwulen gerichtet haben. Klar, die meisten Menschen in diesen Land sind gesittet und Gewalt wird nicht gerne gesehen, seitdem unsere Großväter und Urgroßväter mal so die halbe Welt mit Krieg überzogen und im Handschlag mehrere Millionen Menschen umgebracht haben – darunter auch gezielt Schwule und bisexuelle Männer; Lesben und bisexuelle Frauen wurden zur “Umerziehung” den Männern überlassen. Die Zeit heilt manche Wunde, aber der Zorn auf die anderen ist noch da: die, die sich nicht anpassen wollen und ausscheren aus den Mainstream der Gesellschaft. Da offene Gewalt schlecht ist, hat sich eine neue Waffe im Kampf gegen schwer zu durchschauende Macht- und Gesellschaftsstrukturen oder gegen eine sich wandelnde Zeit, und jene, die anders sind als die anderen, durchgesetzt: die Petition. Petitionen sind ein gutes Instrument, in einem demokratischen System Gehör zu finden, aber sie kann auch missbraucht werden, um Meinungen und Ressentiments zu schüren, vor allen von einer Mehrheit gegen eine Minderheit. Der baden-württembergische Realschullehrer Gabriel Stängle hat in seiner Petition gegen die Akzeptanz Homosexueller die Angst vieler Menschen in Deutschland angesprochen.Eine unbestimmte Angst: Eine Gruppe Menschen, die nicht den gleichen Lebenswandel haben, könnten Privilegien eingeräumt werden, die dafür sorgen, dass der Lebenswandel, den diese Menschen führen, sich auf andere Mitmenschen ausbreiten könnte. Im schlimmsten Falle womöglich auf die eigenen Kinder oder Enkelkinder, wenn diese es näher erklärt bekommen.

Liest man im Netz die Kommentare zum entsprechenden Thema, fällt auf, dass die Debatte von Gegnern oder jenen, die sagen: “Bis hier hin und nicht weiter!” dominiert wird. Die Gegner von Liberalität und Freiheit der Liebe führen die Debatte biologistisch und durch die Brille konservativer Argumente, abgerundet mit absurder Religiosität. So genau lässt sich nicht sagen, welches Argument aus welchem Lager ist – es ist eine bunte Mischung. Viele Argumente basieren darauf, dass die menschlichen Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Zusammenhänge vordringlich durch biologische Gesetzmäßigkeiten zu erklären sind, und entsprechend sollten die gesellschaftlichen Verhältnisse angestrebt werden. Dies wiederholt sich auch ganz gerne und dann werden die Tora, Bibel oder Koran angerufen; man lässt den offensichtlichen Biologismus weg und ersetzt ihn durch Religiosität. Biologismus trifft Religion – Meinungsmache gegen Selbstbestimmung weiterlesen