Demo

Demo Vielfalt statt Einfalt

Meine erste Demo seit vielleicht 10 Jahren:*
“Vielfalt statt Einfalt”

Die Vorgeschichte:
Während die Bildungsbehörden und teilweise Politiker_innen verstanden haben, wie wichtig sexuelle Aufklärung und Erziehung zu Toleranz und Respekt sind, sehen das einige erzkonservative Menschen anders. Sie nennen sich “Besorgte Eltern“, haben Kontakte zu rechtsradikalen Gruppen und werden auch von Prominenten aus diesem Lager unterstützt.

Die haben angeblich Angst vor einer Sexualisierung von Kindern in Grundschulen und dass alle Kinder von der Homolobby schwul gemacht werden sollen.

Weil auf irgendeiner alten Liste der Behörde auch ein Buch stand, in dem neben vielen zweifelsfreien auch zwei Übungen zu finden, die nicht unbedingt für die Schule geeignet sind, bezeichnen zwei Autor_innen der FAZ nun gleich alle Sexualpädagog_innen als pädophil.
Die BILD legt natürlich nach und schreibt selbstverständlich ohne Recherche von “Gruppensex-Unterricht in allen Schulen“. So niveaulos und unsinnig das alles ist, es glauben ja doch viele Leute, erst recht wenn eine einst renommierte Sexualpädagogin das Lager wechselt und nun für das den Rechtsradikalen nahe Blatt “Junge Freiheit” Rede und Antwort steht!

Jetzt mobilisieren die “Besorgten Eltern” also und wollen Aufklärung am besten ganz verbieten, auf jeden Fall in der Grundschule. Sie sind gegen Gendermainstreaming, was für eine Gleichberechtigung von Frau und Mann, LSBTI* und auch Regenbogenfamilien stehen. Die heteronormative Ehe sei ja in Gefahr, die Grenzen der Kinder würden überschritten, und die Welt gehe wohl dadurch unter, wenn man über Homo- und Bisexuelle redet, Trans*-Kinder schützt und es nicht unkommentiert stehen lässt, wenn Jungs als “schwule Sau” beschimpft werden.

Dabei ist das Tabuisieren von Sexualität und realer Vielfalt (es gibt ja durchaus nicht nur Standardfamilien mit Mama, Papa, zwei Kindern, sondern z.B. auch Alleinerziehende, zwei Mütter und Patchworkfamilien) ja nur ein Unterstützen von sexuellem Missbrauch. Über dieses Thema wird dann erst recht nicht geredet, aber es gibt unzählige Kinder, die in der (Hetero-) Familie missbraucht werden. Nicht darüber reden soll die Lösung sein.

Auf zur Demo:
In Hannover war am 22.10. Tag der Demos: eine Rechtsradikalen-Demo, eine Antifa-Gegendemo, die Demo der “Besorgten Eltern” gegen Aufklärung, Vielfalt und Gendertheorien und die Gegendemo “Vielfalt statt Einfalt“!

Am Hauptbahnhof wurde ich von einer Frau vom Hannoveraner Bi-Stammtisch uferlos abgeholt.

Schon auf dem Weg zum Platz gab es eine spannende Begegnung: Eine andere Frau sieht mein Plakat “keine Aufklärung = Förderung von sexuellem Missbrauch” und fragt: “Wie jetzt? Freund oder Feind?”
Die Eingangsfrage sagt schon einiges aus. Als geklärt war, dass ich für und nicht gegen Aufklärung bin, wurde gedroht: “Auf ein heftiges Aufeinandertreffen bei der Demo!”, meine Argumente wurden abgetan.

Unsere Demo war dann eine Steh-Demo, also ohne Lauf durch die Stadt, sondern mit einer Bühne, wo viele Leute etwas sagten und auch gesungen wurde.
Dabei waren u.a. eine Frau, die aus der Sozialarbeit zu berichten wusste und uns eine spannende offene Aufgabe für den Gesellschaftsunterricht erklärte**, ein Trans*-Mann, der Schüler_innen-Rat Niedersachsen, der sich -vertreten durch ein Mädchen und einen Jungen- deutlich für Aufklärung aussprach, und schließlich eine Frau, die Mitglied beim Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen (befah) ist. Diese sagte, dass sie natürlich für den Schutz von heteronormativen Familien sei. Aber eben nicht nur von denen. Sie habe einen Sohn, der einen Mann geheiratet hat, und einen, der eine Frau geheiratet hat. Sie wünscht sich auch Schutz ihrer Familie. Und die Familie des einen Sohns ist nicht schlechter als die des anderen. Das Männerpaar hat übrigens jetzt ein Pflegekind/Adoptivkind (?) bekommen und lässt es mit Liebe aufwachsen. Und Liebe sei ja das Wichtige.
Es gab viel Applaus.

Auch immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass früher gar keine Aufklärung über LSBTI* stattfand und Schule sich ja um alle Kinder kümmern müsse.

Schön zu sehen war, dass auch viele Kinder mit ihren Familien (Regenbogenfamilien) dabei waren … und glücklich dabei aussahen.

Irgendwann war dann Schluss, wobei einige wollten, dass wir noch rüber zur Gegendemo gingen. Ich hatte aber Zweifel, einem Haufen von rechten, irrationalen Menschen zu begegnen.
Die “Besorgten Eltern” verteilten auf ihrer Seite natürlich keine Regenbogenflaggen, sondern rosa Luftballons für Frauen und blaue für Männer.
Die Stadt Hannover zeigte aber direkt über diesem Platz deutlich Stellung mit Regenbogen-Fahnen.

Frank

* Mittlerweile weiß ich, dass die 10 Jahre nicht stimmen, wenn man CSDs mitrechnet und eine Demo für mehr Bildung.

** Es ging um einen Autounfall: Ein Vater fuhr seine Tochter in einem schnellen Sportwagen zum Fußballtraining. Da der Vater zu schnell fuhr, kam es zum Unfall, bei dem der Vater sofort starb. Das Mädchen wurde aber noch ins Krankenhaus gefahren. Doch der amtshabende Arzt sah das Mädchen und sagte: „Ich kann sie nicht operieren – das ist meine Tochter!“ Dieses Rätsel sollen Schüler_innen nun auflösen: Hier gibt es viele Lösungen:

  • Einer der beiden ist der Stiefvater.
  • Der Arzt ist Samenspender.
  • Die beiden in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebenden Männer sind über sukzessive Adoption beide Vater des Kindes geworden.
  • Für den feststehenden Begriff „amtshabender Arzt“ gibt es keine weibliche Form, und der Arzt ist eine Ärztin und damit die Mutter.
streetart_boygirl545

Coming-out – und dann …?!

Das Deutsche Jugendinstitut untersucht Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Hier geht’s zu mehr Infos und zur Online-Befragung: http://www.dji.de/index.php?id=43441

Start 5

Visi-Bi-Lity beim CSD in Nürnberg

Am 2. August 2014 fand in Nürnberg der 17. CSD statt und zum ersten Mal gab es einen Beitrag zum Thema Bisexualität: Immerhin zwei Aktivisten nahmen mit einer Bi-Vespa an der Demo teil.

Herbert und ich haben uns über die Bamberger Bi-Gruppe kennengelernt, die es seit einem Jahr gibt (wer mehr über unsere Gruppe erfahren will, kann hier weiterlesen – BiJou, 29. Ausgabe, Seite 26, http://bine.net/sites/default/files/bijou29.pdf ). Herbert versucht in Nürnberg einen Bi-Stammtisch zu gründen. Wir haben uns deshalb nicht nur beim CSD gezeigt, sondern auch Werbung für Bi-Gruppe und -Stammtisch gemacht.

Für mich war es das erste Mal, dass ich mich bei einer Demo als Bi-Mensch zu erkennen gegeben habe. Auf der Fahrt nach Nürnberg hatte ich kurz noch einmal Zweifel, ob ich das wirklich tun sollte: Was will ich eigentlich damit zum Ausdruck bringen? Und warum muss ausgerechnet ich mich öffentlich als Bi-Mensch zeigen, während sich die meisten anderen im Verborgenen wohl fühlen. Als ich dann bei Herbert ankam und sein liebevoll mit den Bi-Farben geschmücktes Moped sah, war das alles weg. Und so reihten wir uns zwischen lesbischen Lehrerinnen und einer schwulen Theatergruppe, die sich lautstark und ohrenbetäubend mit Trillerpfeifen bemerkbar machte, im CSD-Zug ein.

Die Stimmung war gut und ausgelassen und wirkte auf mich wie eine entspannte Mischung aus Familienfest und Karneval. Die Schwulen und Lesben haben uns sehr freundlich und respektvoll aufgenommen und als Bereicherung begrüßt.

Natürlich gab es die eine oder andere Bemerkung, die nachdenklich stimmen könnte: „Ach, ihr seid also die Doppelstecker!“ „Was sind das denn für Farben, euch fehlt ja ein Teil des Regenbogens!“ Aber das war nicht ernsthaft oder provozierend gemeint und ich habe es mit Humor genommen. Für Schwule und Lesben sind wir oft genauso exotisch und befremdlich wie für Heteros. Das habe ich schon öfters erfahren und ich kann das ertragen, ohne mich ausgrenzt zu fühlen. Denn für mich ist immer klar: Wir Bi-Menschen lassen uns nicht auf mechanische Körperfunktionen reduzieren und uns fehlt auch nichts – im Gegenteil. Falls es überhaupt Menschen mit Defiziten geben sollte, dann sind das wohl eher diejenigen, die sich in ihrer Monosexualität eingerichtet haben, weil sie Angst vor neuen Erfahrungen haben oder weil sie sich nicht vorstellen können, wie aufregend und prickelnd das Leben ist, wenn man Frauen und Männer gleichermaßen lieben kann.

Insgesamt war der CSD für mich eine sehr positive Erfahrung. Es war ein geiles Gefühl, mich als Bi-Mensch aufrecht und erhobenen Hauptes in der Öffentlichkeit zu bewegen. Das macht stark und Lust auf mehr.

Diesmal waren wir nur zu zweit, aber das ist auf jeden Fall besser als gar nichts. Und vielleicht gibt es ja nächstes Jahr noch mehr Mutige und Entschlossene.

Wer bei der Bamberger Gruppe oder dem Nürnberger Stammtisch mitmachen will, ist ganz herzlich eingeladen. Das gilt insbesondere auch für diejenigen, die ungeoutet sind und es auch bleiben wollen. Wir respektieren das und unsere Treffen laufen dementsprechend diskret ab, weil jeder Bi-Mensch selbst entscheiden sollte, wie er damit umgehen möchte. Man muss sich auch nicht politisch betätigen oder in der Öffentlichkeit agitieren, um bei uns dabei zu sein. Wenn wir uns treffen, geht es eher um Erfahrungsaustausch, Selbstfindung oder einfach darum, einen netten Abend mit lieben Freunden zu verbringen.

Möchtest du mit uns in Kontakt treten? Dann schreib einfach eine E-Mail an:

Herbert (Nürnberg) – biinnbg@gmx.de

 

oder an:

Nora (Bamberg) – biinba@gmx.de

Liebe Bi-Grüße an alle Menschen, die Menschen lieben.

 

Wolli

Bamberg, 8. August 2014

 

 

jesusmitliebendenimbauch600

BiBerlin Camp 2014

Am 20. und 21.September, dem Wochenende vor dem Bi Visibility Day, findet im Sonntags-Club in Berlin-Prenzlauer Berg eine offene Konferenz rund um das Thema Bisexualität statt – das BiBerlin Camp 2014. Es ist bereits das dritte Camp dieser Art in Berlin. Beginn ist jeweils um 11:00, Ende 18:00, die Veranstaltung ist kostenlos.

Eingeladen sind alle die sich für Bisexualität interessieren, egal ob Freund_innen, Kritiker_innen, Neugierige oder Bisexuelle. Wir wollen mit Euch über die verschiedenen Aspekte, Lebens- und Sichtweisen dieser sexuellen Orientierung diskutieren. Besonders freuen wir uns über junge Leute, die Lust haben, sich aktiv mit queeren Themen und Bisexualität auseinanderzusetzen. Da wir  Wert auf einen respektvollen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander legen, wird es Awarenessregeln geben.

 

Anmeldung und weitere Infos unter http://berlin.bine.net/biberlin-camp-2/

Tolerant? Sind wir selber

Die Heinrich Böll Stiftung hat eine Reihe von ironischen Videos online gestellt mit der Überschrift: „Tolerant? Sind wir selber.“ Die Autorin Dr. Carolin Emcke und die Regisseurin Angelina Maccarone haben kurzen Momentaufnahmen von Situationen geschaffen die mit Ironie und Augenzwinkern die eigene Toleranz hinterfragen sollen.

Ich fand, als Mensch der sich als queer und bisexuell definiert, die Videos doppelt spannend, einerseits weil ich die Motive der Autorin verstehen kann, anderseits aber ähnliche Ablehnung von homosexuell lebenden Menschen erlebt habe. Für bisexuelle, pansexuelle und nicht monosexuelle Menschen ist es ein tolles Statement und hat eine andere Wirkung auf homo- und heterosexuelle Menschen. Ich glaube nicht, das dies im Sinne war, der Autorin und der Regisseurin, da leider auf der Seite der Stiftung nur Homo-,Trans- und Intersexuelle erwähnt werden und Bisexuelle – wie so oft – nicht.

Die Videos sind tragisch und ironisch zugleich, wenn man sich zwischen den Spektrum von Homo- und Heterosexualität bewegt.

Ich wünschte mir, das bei solchen Projekten auch bisexuelle Menschen einbezogen werden. Den die Frage: “Tolerant? Sind wir selber”,  muss sich dann auch die Macher und die Stiftung fragen, wenn sie einen Teil von LSBT vergessen.

polly

Liebe kennt kein Geschlecht – Polyamory

Es gibt wenige Themen, die so stark unter Bisexuellen polarisieren wie das Thema Polyamory. Ich erinnere mich an viele Diskussionen, in denen man sehr genau versuchte, sich zwischen Bisexualität und Polyamory abzugrenzen. Einige meinten, das Polyamory etwas sei, das getrennt betrachtet werden muss von Bisexualität. Ich finde es schade, denn alle Bisexuellen, Pansexuellen und Nicht-Monosexuellen, die sich zugleich als polyamor sehen, sind ein Teil der bunten Gemeinde.

Was genau ist das, dieses “Polyamor”?

Nicht jede/r möchte monogame Beziehungen führen, und vielleicht liegt dir eine polyamore Beziehung eher. Der Name bedeutet so viel wie “viele-Lieben” – also mehr als eine/n Partner/in zu haben, und alle Beteiligten wissen darüber Bescheid. Wenn jemand so leben will, braucht es viel Zeit und Rücksicht, und jede/r Partner/in muss offen und ehrlich kommunizieren und die jeweiligen Limits der anderen verstehen und respektieren.

Was mir gut an der polyamoren Liebe gefällt, ist die Ehrlichkeit. Jeder weiß von den anderen Partner, es gehört sicher viel Arbeit dazu und auch manche Eifersuchtsattacken und Gefühle müssen ausgehalten und reflektiert werden.

Ich kenne einige Menschen, die polyamor leben. Es ist ein Lebensentwurf, den ich für mich zur Zeit nicht teile; aber ich kann es verstehen und nachvollziehen, dass es dies gibt. Manche sind glücklich damit, andere weniger. Es kommt wie in jeder Situation immer auf den Menschen an, der dies lebt.

In Diskussionen wird immer wieder unterstellt, dass bisexuelle Menschen eigentlich auch zugleich polyamor sind. Das glaube ich nicht. Polyamory ist eine Lebensweise, eine Einstellung und ein Wunsch nach einer bestimmten Form von Beziehungen. Polyamor ist auch mehr als “Ich habe einen Partner und eine Daueraffäre mit der ich mich zum Sex treffe”; es sind mehrere Menschen, die zusammen eine Beziehung führen. Die Partnerschaften können gleichberechtigt sein, oder eine Partnerschaft kann mehr Bedeutung haben als eine andere.

Manchmal erscheint es mir, als sei Polyamory in der Bi-Szene üblicher – aber ich glaube, das liegt nur daran, dass die Menschen hier eher dazu stehen, nicht nur bisexuell, sondern auch polyamor zu sein. Wenn man genauer hinschaut, scheint es gar nicht so, dass viele Bisexuelle poly sind oder gerne wären.

Back To The Shore – love and let love

Manche finden das Video ganz schlimm kitschig, aber ich finde  es toll und könnte nach dem Sehen immer die ganze Welt knuddeln. Deshalb fest verlinkt damit sich Alle hier geknuddelt fühlen, besonders Kerstin – Sie kontrolliert meine Texte für den Blog.

 

header-150x150

Biologismus trifft Religion – Meinungsmache gegen Selbstbestimmung

Eigentlich hat es mich gewundert, dass die Deutschen bisher so nett waren und nicht schon lange ihren Volkszorn gegen Lesben und Schwulen gerichtet haben. Klar, die meisten Menschen in diesen Land sind gesittet und Gewalt wird nicht gerne gesehen, seitdem unsere Großväter und Urgroßväter mal so die halbe Welt mit Krieg überzogen und im Handschlag mehrere Millionen Menschen umgebracht haben – darunter auch gezielt Schwule und bisexuelle Männer; Lesben und bisexuelle Frauen wurden zur “Umerziehung” den Männern überlassen. Die Zeit heilt manche Wunde, aber der Zorn auf die anderen ist noch da: die, die sich nicht anpassen wollen und ausscheren aus den Mainstream der Gesellschaft. Da offene Gewalt schlecht ist, hat sich eine neue Waffe im Kampf gegen schwer zu durchschauende Macht- und Gesellschaftsstrukturen oder gegen eine sich wandelnde Zeit, und jene, die anders sind als die anderen, durchgesetzt: die Petition. Petitionen sind ein gutes Instrument, in einem demokratischen System Gehör zu finden, aber sie kann auch missbraucht werden, um Meinungen und Ressentiments zu schüren, vor allen von einer Mehrheit gegen eine Minderheit. Der baden-württembergische Realschullehrer Gabriel Stängle hat in seiner Petition gegen die Akzeptanz Homosexueller die Angst vieler Menschen in Deutschland angesprochen.Eine unbestimmte Angst: Eine Gruppe Menschen, die nicht den gleichen Lebenswandel haben, könnten Privilegien eingeräumt werden, die dafür sorgen, dass der Lebenswandel, den diese Menschen führen, sich auf andere Mitmenschen ausbreiten könnte. Im schlimmsten Falle womöglich auf die eigenen Kinder oder Enkelkinder, wenn diese es näher erklärt bekommen.

Liest man im Netz die Kommentare zum entsprechenden Thema, fällt auf, dass die Debatte von Gegnern oder jenen, die sagen: “Bis hier hin und nicht weiter!” dominiert wird. Die Gegner von Liberalität und Freiheit der Liebe führen die Debatte biologistisch und durch die Brille konservativer Argumente, abgerundet mit absurder Religiosität. So genau lässt sich nicht sagen, welches Argument aus welchem Lager ist – es ist eine bunte Mischung. Viele Argumente basieren darauf, dass die menschlichen Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Zusammenhänge vordringlich durch biologische Gesetzmäßigkeiten zu erklären sind, und entsprechend sollten die gesellschaftlichen Verhältnisse angestrebt werden. Dies wiederholt sich auch ganz gerne und dann werden die Tora, Bibel oder Koran angerufen; man lässt den offensichtlichen Biologismus weg und ersetzt ihn durch Religiosität. Weiterlesen

CSD 2014 mit den dickem B in LSBTI

Am 2.12.13 fand in Berlin das Plenum der CSD-Organisatoren für das Motto des Christopher Street Days 2014 statt. Wir waren zu dritt vor Ort aus der Berliner Bi-Community, die langsam Form annimmt. Die Vertreter der „Community“, wie sich viele Teilnehmer des Plenums verstanden haben, berieten über den kommenden CSD und das Motto. Nach einer langen Diskussion einigten sich alle einstimmig auf das Motto „BACK TO THE ROOTS – ZURÜCK ZU DEN WURZELN“. Ich verbinde mit den Motto: zurück zur politischen Arbeit bei den CSD-Paraden und weniger Fleisch und Fetisch-Schau. Vielen Teilnehmer ging es ähnlich. Der neue Trend zu mehr Politik auf der Parade begann schon dieses Jahr, als Russlands menschenverachtende Politik angeprangert und die deutsche Gleichstellungspolitik und die Bundestagswahlen thematisiert wurden.

Das Motto ist eine Chance für Bisexuelle, für mehr Akzeptanz und Sichtbarkeit in der queeren Community zu werben. Während des gesamten Plenums wurden von Schwulen, Lesben, Trans* und Intersexuellen Menschen gesprochen. Bisexuelle wurden anfangs komplett ausgeklammert und gar nicht erwähnt. Wir haben erst darauf hingewiesen, dass die Community bitte Bisexuelle auch beachten sollte. Das hat zu etwas Irritation bei einigen Teilnehmern geführt, aber wir hoffen auf noch mehr Irritationen auf den CSD-Paraden dieses Jahr und ein Aha-Effekt in der Community. Spontan haben Antje, Dana und ich beschlossen, in das CSD-Team einzutreten und uns Bisexuelle, Pansexuelle und Nicht-Monosexuelle eine Stimme und Sichtbarkeit bei den Organisatoren zu geben.

Der kommende CSD findet am 21. Juni 2014 in Berlin statt. Streicht schon mal den Termin dick in eurem Kalender an! Wir freuen uns, wenn viele Bisexuelle, Pansexuelle und Nicht-Monosexuelle mit uns auf der Parade laufen und Plakate hochhalten, aus ganz Deutschland, nein – der ganzen Welt. Vielleicht folgen andere Bis, Pans und No-Monos in anderen Städten auf ihren CSD-Paraden. Besonders würde es uns freuen, wenn die Aktivisten der letzten Jahrzehnte mitlaufen würden.

Identitätsspiel zum Mitmachen

Die Tage werden länger und es beginnt die heimelige Zeit, also die beste Zeit um Spiele zu spielen. Deshalb lasst uns ein Spiel spielen, ein Spiel wo es um die eigene sexuelle Identität geht. Schreibt uns Eure Erfahrung mit diesen Spiel als Kommentar auf das Blog. Was wir brauchen sind vier große Zettel , je vier kleine Zettel pro Teilnehmer_in, etwas Platz. Auf die große Zettel schreiben wir homo, hetero, männlich und weiblich, auf die kleinen Zettel unsere Namen. Nun legen wir jeden Zettel auf eine Ecke, so das die Gegenteile immer entgegen stehen.

Im Grunde sollte ein Viereck entstanden sein, wo sich gegenüber weiblich und männlich steht und auf der anderen Seite homo und hetero. Wenn wir es besonders schön machen wollen, dann legen wir noch an den Seiten Stricke, Stöcke oder Besenstiele um den Raum zu begrenzen.

Nun sucht sich jede_r Teilnehmer_in seinen Platz in diesen Viereck, vielleicht auch außerhalb. Wie sehr sehe ich mich männlich oder weiblich, homo oder hetero. Wo sieht der / die Teilnehmer_in an diesen Spiel seine / ihre Identität. Lasst die Position auf Euch einwirken, nimmt einen Zettel auf dem Euer Name steht und schreibt auf was ihr damit verbindet. Was Euch zu dem macht was ihr seid. Nun begibt sich jeder Teilnehmer auf die entgegengesetzte Postion, wer du in der Mitte stehst, sucht sich die Position an der er dich am unwohlsten fühlst.

Nehmt wieder einen Zettel wo Euer Name darauf steht und überlegt euch wie es wäre wenn ihr diese Identität hättet wo ihr gerade steht. Schreibt auf wie es damit Euch geht.

Wir haben noch zwei Zettel mit unseren Namen. Also müssen wir noch zweimal die Position wechseln. Jede_r Teilnehmer_in, bis auf jene die zu Beginn in der Mitte standen suchen sich die Position aus die sie niemals sein wollen und stellen sich dort hin. Wer zu Beginn in der Mitte war, geht nun zu der entgegengesetzten Position seiner aktuellen Position. Sie schreiben auf, warum du dort nicht sein willst und was du so schwer / schlimm oder schwer daran findest.

Das letzte Zettelchen mit den Namen kommt an jene Position, wo wir glauben das es ein Mensch mit der Identität am einfachsten hat. Wir schreiben darauf warum das so ist unserer Meinung nach.

Das Spiel kann jeder auch anders gestalten, anstatt von weiblich und männlich könnte auch trans* und bio bzw. cis stehen oder weißhäutig und dunkelhäutig oder monogam und polygam. Wie findet ihr das Spiel, erzählt uns davon. Wir wollen gerne das Spiel in größere Runde spielen und anschließend darüber diskutieren, gerne auch das Ergebniss hier präsentieren. Wer Lust von Euch hat, schreibt uns an.