Buch: “Kick Verlangen Leidenschaft” von Adriano

Kick Verlangen Leidenschaft © Hellwach Verlag - Foto von DeefDer Zürcher Künstler Adriano hat ein Buch namens “Kick Verlangen Leidenschaft” geschrieben. Er nennt es im Untertitel “Der etwas andersartige Beitrag zur Männerforschung”. Auf dem Einband heißt es:

Das Doppelleben von Heteros mit Bi-Neigungen oder echten Bisexuellen die sich auf spontane Treffs oder auf Affären mit Homosexuellen einlassen, wird authentisch aus dem Zürich der letzten vierzig Jahre dargestellt. (…) Der Autor deckt eines der letzten Tabus sexueller Doppelmoral auf. Das Vermitteln verschwiegener Aspekte der realexistierenden Praxis der männlichen Bisexualität macht ihn dank persönlicher Bekenntnisse zu einem mutigen Protagonisten sexueller Aufklärung auch heute noch.

Wenn bei der Darstellung der “realexistierenden Praxis der männlichen Bisexualität” das “Aufdecken” von “Doppelleben” und “Doppelmoral” im Vordergrund steht, so handelt es sich um eine pauschale und falsche Verallgemeinerung, die alle bisexuellen Männer abwertet. Das macht den Autor vielleicht zu einem Biphobiker, bestimmt aber nicht zu einem “mutigen Protagonisten sexueller Aufklärung”.

Wenn Adriano Doppelmoral ungeoutete und/oder verheirateten Männer kritisieren möchte, sollte er die Kritik daran festmachen, was die Doppelmoral begründet: Heteronormativität, Homo- und Biphobie, das Dogma der Monogamie, religiöser Fundamentalismus usw. So wie es auf diesem Buch steht, werden dagegen Bisexuelle pauschal diffamiert.

Peinlich am Rande: queer.de hat den Klappentext in gekürzter Form unkritisch in einen Text, der wohl eine Art Rezension sein soll, aber nur die Verlagswerbung nachplappert, übernommen.

Interessant ist an “Kick Verlangen Leidenschaft” lediglich die Literaturliste mit Büchern über Bisexualität. Der Rest besteht aus Rammelanekdoten mit Sätzen wie “als es dem Schwein gekommen ist, hat es gebrüllt wie ein Satan”, aus Tagebucheinträgen, die mit Worten wie “erigiert wirkt Antonios Penis stumpfsinnig” beginnen und seitenlangen Transkripten vulgärer Sexchats.

Am Ende steht kleingedruckt “Äusserungen in diesem Buch, die als frauenfeindlich interepretiert werden könnten, decken sich nicht mit der persönlichen Meinung des Autors und des Verlags.” Warum hat er sie dann in sein Buch geschrieben, möchte man fragen. Es ist nicht die einzige Frage, die das Buch offen lässt. Zum Beispiel auch: warum sollte man diese wirre, unlektoriert anmutende Textsammlung lesen wollen?

Update 5.01.2012: Für Amazon habe ich meine Kritik neu formuliert und klarer dargelegt, was das grundsätzliche Problem an diesem Buch und der Art, wie es beworben wird, ist:

Das Buch besteht u.a. aus obszönen Kurzgeschichten, Tagebucheinträgen, Briefen und Sex-Chatprotokollen. Die Texte sind weniger erotisch, sondern vielmehr vulgär. Ob einem das gefällt, ist Geschmackssache. Aber es gibt ein grundsätzliches Problem, und das hat nichts mit Geschmack zu tun.

Der Klappentext besagt: “Das Doppelleben von Heteros mit Bi-Neigungen oder echten Bisexuellen, die sich auf spontane Treffs oder auf Affären mit Homosexuellen einlassen, wird authentisch aus dem Zürich der letzten vierzig Jahre dargestellt.” In Wirklichkeit beschäftigt sich das Buch mit promiskuitiven Männern, die zufälligerweise bi- oder homosexuell sind. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn nicht alle bisexuellen und homosexuellen Männer sind promiskuitiv und nicht alle promiskuitiven Männer sind bi- oder homosexuell. Promiskuitive Männer gibt es mit jeder Sexualorientierung, natürlich auch heterosexuell. Das ist deswegen von Bedeutung, weil es ein gesellschaftliches Vorurteil gegenüber bi- und homosexuellen Männern gibt: ihnen wird pauschal und falsch Promiskuität unterstellt, obwohl nur ein Teil von ihnen promiskuitiv lebt.

Im Klappentext des Buches heißt es weiter: “Der Autor deckt eines der letzten Tabus sexueller Doppelmoral auf. Das vermitteln verschwiegener Aspekte der realexistierender Praxis der männlichen Bisexualität macht ihn dank persönlicher Bekenntnisse zu einem mutigen Protagonisten sexueller Aufklärung noch heute”.

Jetzt muss man sich folgendes vor Augen führen: Der Autor schürt ein falsches gesellschaftliches Klischee gegenüber bi- und homosexuellen Männern in dem er die Handlungen des promiskuitiven Anteils dieser Bevölkerungsgruppe gleichsetzt mit “der realexistierenden Praxis der männlichen Bisexualität” und damit auf alle Bisexuellen verallgemeinert. Sein Verlag bewertet ihn dafür als “mutigen Protagonisten sexueller Aufklärung noch heute”. Das ist natürlich Unsinn. Er hätte das Buch als Textsammlung über die promiskuitive Männerszene in Zürich herausbringen und bewerben können. Leider tat er das nicht, verallgemeinert falsch und hat somit bisexuellen Männern und der gesellschaftlichen Aufklärung einen Bärendienst erwiesen.

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28 Antworten auf Buch: “Kick Verlangen Leidenschaft” von Adriano

  1. Adriano sagt:

    Rezensent Deef scheint mein Buch falsch verstanden, oder mit voreingenommener Einstellung gelesen zu haben, weil er vielleicht persönlich betroffen ist. Er hätte es weniger schnell durchblättern sollen, denn er hat meine persönliche Einstellung (eine sehr positive, nämlich!) zu diesen sexuellen Aussenseitern völlig verdreht. Es ist leicht, einzelne Zitate aus einem Buch herauszugreifen, um damit das Ganze schlecht zu machen, wenn einem das Buch einfach nicht passt.
    Wollte keineswegs pauschal verurteilen, weder kritisieren noch verallgemeinern. Mein Buch stellt den blossen Alltag von Heteros mit Bi-Neigungen dar, also nicht denjenigen 100%er Bisexueller, zu denen sich vermutlich der Rezensent zählt. Ein simpler Report, der nicht nach Ursachen sucht, sonder geschrieben worden ist, damit mehr Leute wissen, was da wirklich abgeht in dieser Szene.
    Dass dieser Alltag oft vulgäre Züge aufweist kann niemand abstreiten – derjenige, der schockiert ist, läuft halt weiterhin mit Scheuklappen herum.
    Ein Biphobiker bin ich keineswegs, gang im Gegenteil. Als Schwuler verkehre ich mit Heteros mit Bi-Neigungen lieber als mit 100%igen Homos.
    Das Buch wurde ohne literarische Ambitionen geschrieben.
    Die 100%igen Bisexuellen glauben also immer noch, sie seien die Einzigen, Besten, die Unantastbaren, die also vulgäre Chats vermeiden und es nicht mögen, dass man erzählt, dass auch sie gerne rammeln? Und auch noch nie davon gehört, dass man von “Bisexualitäten” in der Mehrzahl spricht?
    Nehme an, dass es also Deef ist, der mein Gratisexemplar durch Amazon Marketplace.de weiterverkauft :-)
    Schöne Grüsse und alles Gute aus dem oft auch echt vulgären Zürich :-)
    Adriano

    • Deef sagt:

      Hallo Adriano,

      Danke für deinen Kommentar, der erstaunlich viel über dich und dein Buch preisgibt. Bücher, die ich nicht mehr brauche, stelle ich normalerweise mit einem Zettel “zu verschenken” vor die Haustür. Da geht immer alles weg. Dein Buch wollte leider keiner. Wenn Du möchtest, schicke ich dir dein Rezensionsexemplar gerne zurück. Lass mir dazu einfach deine Adresse zukommen.

      Viele Grüße

      Deef

    • Springs sagt:

      Sie schreiben ein Buch über Bisexuelle und jetzt kommt raus sie meinten damit nur die Heteros mit Bieneigung und lassen mal eben die 100 Prozent Bisexuellen sowie die Bisexuellen die sich mehr zu Männern hingezogen fühlen ausser acht?

      Wenn man keine Ahnung hat…

      Am besten nächstes Mal das Thema einfach sein lassen!

  2. Schicks lieber an mich [Adresse aus Datenschutzgründen entfernt. VG Deef], man kann auch als Bi-Partner biphob sein, wie man genauso als Homosexueller an Homophobie leiden kann, also der Vorwurf, die Doppelmoral sei durch die Bisexualität verursacht, und Frauenfeindlichkeit erscheinen mir durchaus als Beispiel von Biphobie, würde also dem Rezensenten beipflichten.

  3. Felix Müller sagt:

    Da scheint der Autor mit seinem Buch ja voll ins Schwarze getroffen zu haben, wenn DEEF (D.E.F.? DEAF? DEV.?) derart befindlich reagiert.

    “Wirre, unlektorierte Textsammlung”? Lieber Deef: Es gibt gottlob neben Gedicht, Kurzgeschichte und Roman doch weit mehr Schreibstile und Buchformen, als die Schwulweisheit sich träumen läßt. (Kennen Sie zufällig die “Vagina-Monologe”? “Ulysses”? “Endspiel”? “Gefährliche Liebschaften”? “Push” von Sapphire?)

    Warum man Adriano´s Buch lesen soll? Um SPASS zu haben!

    So nebenbei kann man aber auch draus lernen, daß die meisten von uns Bisexuellen vor allem EIN Dilemma haben: Wenn sie eine Beziehung leben, müssen sie sich oft vor allem deswegen verstecken, weil viele ihrer Partner mit Bisexualität schlicht nicht klarkommen. Bi´s wünschen sich meist Gefährten, mit denen sie ihre offene Sexualität teilen können, aber solche sind allzu rar. Übrig bleibt dann leider unter anderem das, was Adriano als Teil von Bi-Alltag und -Wirklichkeit so treffend in seinen Szenen beschreibt, resultierend aus der Unfähigkeit aller Seiten, wirklich damit umzugehen. Auch die Chat-Transkripte sind leider grausigste Realität. (Müßte Deef auch wissen, wenn er ein Profil bei einem Gay- oder Bi-Portal hat.) Der Mangel an Mitmenschlichkeit und Umgangsformen, der sich darin offenbart, ist für mich allerdings noch weit erschreckender als die Bi-/Homo-/Hetero-Problematik.

    Allerdings kann ich mir eine Kritik doch nicht verkneifen. Wer andern öffentlich die Leviten lesen möchte, sollte schon sein Handwerk, namentlich Syntax und Grammatik beherrschen: “Wenn Adriano Doppelmoral ungeoutete und/oder verheirateten Männer kritisieren möchte”…??? Schüttel. Schauder. Grusel. (Oops: Drei Erikative hintereinander — sorry.) Hinter “beginnen” im vorletzten Absatz gehört ein Komma; hinter “kleingedruckt” ein Doppelpunkt. Und bei direkter Anrede schreibt man Personalpronomina in der Höflichkeitsform mit Großbuchstaben.

    Und ja: ich habe das Buch gelesen, mit viel Lust, Freude und Vergnügen. Natürlich ist es in mancher Hinsicht rabenschwarz und böse. Es war zu erwarten, daß sich mancher auf den Schlips getreten fühlen wird.

    Ich will allerdings nicht so recht glauben, lieber Deef, daß keiner Adrianos Buch aus Ihrer Bücherkiste nehmen wollte, schon wegen des Titels (Sex sells). Oder haben Sie es vielleicht doch heimlich behalten? Sei es auch nur, um sich ab und zu mal so richtig ärgern zu können? Das hätte doch eine kathartische Wirkung…

    Übrigens: Larry Kramers bitterböses Buch “Faggots” über die Homoszene von New York ist nun, nach 33 Jahren, endlich auch in einer deutschen Übersetzung erschienen. (“Schwuchteln”) Was Sie wohl DAZU zu sagen hätten…?

    • Deef sagt:

      Lieber Felix,

      so viele schöne Tipps zur Rechtschreibung und dann der falsche Genitiv-Apostroph bei “Adriano´s”?

      Aber geschenkt. Schlimm ist das nicht. Schon eher das, was Sie hier schrieben:

      So nebenbei kann man aber auch draus lernen, daß die meisten von uns Bisexuellen vor allem EIN Dilemma haben: Wenn sie eine Beziehung leben, müssen sie sich oft vor allem deswegen verstecken, weil viele ihrer Partner mit Bisexualität schlicht nicht klarkommen. Bi´s wünschen sich meist Gefährten, mit denen sie ihre offene Sexualität teilen können, aber solche sind allzu rar. Übrig bleibt dann leider unter anderem das, was Adriano als Teil von Bi-Alltag und -Wirklichkeit so treffend in seinen Szenen beschreibt, resultierend aus der Unfähigkeit aller Seiten, wirklich damit umzugehen. Auch die Chat-Transkripte sind leider grausigste Realität. (Müßte Deef auch wissen, wenn er ein Profil bei einem Gay- oder Bi-Portal hat.) Der Mangel an Mitmenschlichkeit und Umgangsformen, der sich darin offenbart, ist für mich allerdings noch weit erschreckender als die Bi-/Homo-/Hetero-Problematik.

      Falsche Pauschalisierung, bei der alle oder die meisten Bisexuellen (Männer) in einen Topf geworfen werden. Dabei wird absichtlich oder unabsichtlich ignoriert, dass das Kriterium, welches zu promiskuitiven Verhalten führt, nicht die Bisexualität ist, sondern dass es einfach promiskuitive Männer sind, die sich so verhalten. Diese promiskuitiven Männer gibt es in der Heterovariante und auch schwul, bi usw. Aber oft, wie auch bei Ihnen Felix, wird mit dem Verweis auf die “leider grausigste Realität” darauf gepocht nur die Schwulen, Bisexuellen oder die “mit Bi-Neigungen” zu betrachten, was in etwa so menschenfeindlich ist, wie die Aussage, Menschen bestimmter Hautfarben werden eher straffällig als Weiße in den USA. Auch hier meinen die Rassisten, es SEI schließlich so. Und so wie Sie ignorieren, dass Promiskuität das Kriterium ist und nicht Sexualorientierung, ignorieren Rassisten, dass nicht die Hautfarbe, sondern Bildung, Einkommen und Milieu determinierende Kriterien sind.

      Wer über diskriminierte Minderheiten schreibt, hat eine besondere Verantwortung. Wer schreibt, die US-Gefängnisse sind voll von Afroamerikanern, weil die die meisten Verbrechen begehen, ohne das richtig einzuordnen, ist ein Rassist. Und wer das Leben einiger promiskuitiver Männer pauschal zur “realexistierenden Praxis männlicher Bisexualität” hochstilisiert ist Biphobiker.

  4. Adriano sagt:

    Welche sexuelle Minderheit ist heutzutage nicht diskriminiert? Also gut, ich schreibe über eine „diskriminierte Minderheit“ eben gerade MIT Verantwortung, das scheint Deef immer noch nicht verstehen zu wollen! Ehrliche Verantwortung basiert nämlich auf die Darstellung der Wahrheit, was noch lange nicht heißt, ich verurteile! Ich berichte ja über meine eigenen Affären mit Heteros mit Bi-Neigungen: Befindet sich eine darunter, die etwa despektierlich oder verurteilend dargestellt wird? Bitte lesen, bevor man ausrastet! Was die Chatszenen und Kontaktanzeigen betrifft, der Ton ist nun halt mal so, wobei sich auch dort sehr schöne Äußerungen befinden (die ignoriert Deef, denn er will mich ja schlecht machen, schließlich bezeichnet er im Twitter das Buch als sein „schlechtestes Buch des Jahres“).
    Und was soll das ganze Theater? Was ist denn so schlimm, wenn Bisexuelle auch ihren Sex in all seinen Arten ausleben wie Heteros und Homos? Durch mein Buch bin ich ein Reporter, der nun seit über 40 Jahre Sex- und Liebesleben berichtet, was ihm alles in Sachen Heteros mit Bi-Neigungen und Bisexuellen so passiert ist. Und es stimmt alles, haargenau!
    Oder soll ich, gemäß Deef, über Bisexuelle schreiben, wie sie zuhause Händchen halten und sich stundenlang in die Augen schauen im Rauchstäbchenduft? Nur weil sie fürchten in eine „schlechtere Kategorie“ zu geraten wenn man erzählt, dass sie auch gerne rammeln und chatten? Mensch, Deef, wir sind im 21. Jahrhundert: Es geht doch hier einfach um Sex und Begehren, gleich welcher Coleur!
    Wenn Deef mein Buch wirklich ganz durchlesen würde (ich bin überzeugt, er hat es nicht), würde er auch auf sehr viel Positives stoßen. Aber er hat nur einige extremen Passagen herausgepickt, was ich sehr unfair finde. Er benimmt sich – dies ist eine rein persönliche Vermutung – wie ein frustrierter Fundi.
    Und, merkwürdigerweise, konnte er mit dem grossartigen Essay von Pirmin Meier (immerhin ein bekannter Schweizer Schrifsteller), das mein Buch einleitet, gar nichts anfangen…

  5. Pirmin Meier sagt:

    Was Deef schreibt, scheint nicht total daneben. “Mann” kann sich betupft fühlen. Aber der Vergleich mit den Schwarzen in den Vereinigten Staaten ist trotzdem unangebracht. Das Hauptproblem ist im Vorwort angedeutet, obwohl nicht so klar, wie es angesichts dieser Blog-Diskussion sein müsste. Was fehlt, ist die erotische Kultur, einschliesslich eines kreativen erotisch-sexuellen Wortschatzes. Diese erotische Kultur war auch bei den Heterosexuellen schon besser, vgl. Casanova und seine Epoche. Auch dieser war übrigens promiskuitiv, aber auf Niveau. Homosexuelle im Umfeld von Platon, K.H. Ulrichs, Stefan George und vor allem Rolf vom “Kreis” in Zürich hatten einen sehr hohen erotischen Standard. Das kann man bei den Bisexuellen, wie sie Adriano beschreibt, meist wirklich nicht sagen. Diese dokumentierte Art Beziehungspraxis wirkt menschlich noch nicht integriert. Eine entmutigende Wahrheit dient der Sache jedoch mehr als jede noch so ermutigende Lüge, bemerkte der italienische Autor Ignazio Silone.
    Adriano wäre wohl der Letzte, dem man Homophobie oder Biphobie vorwerfen könnte.

  6. Felix Müller sagt:

    Zunächst muß ich mich entschuldigen: Ich war zum ersten Mal auf diesem Blog und habe nicht verstanden, daß “Deef” ein real existierender Name ist; ich wollte mich nicht lustig machen. Das Apostroph? Kleiner Köder zum Schnappen. Hat funktioniert.
    Inhaltlich kann ich nur sagen: “Danke” für `s absichtliche Falschverstehen, obendrein noch verbrämt mit Rassismusvorwürfen, obwohl ich mich dazu überhaupt nicht geäußert habe…

    Mit der “grausigen Realität” meinte ich AUSSCHLIESSLICH das, was aus den Chat-Protokollen sehr oft hervorgeht — nämlich, wie ich deutlich schrieb, der Mangel an Mitmenschlichkeit und Umgangsformen. Nicht mehr, nicht weniger.

    Über Kriterien, die ggf. zur Promiskuivität führen, habe ich gar nicht geschrieben. Lesen Sie bitte noch mal meinen Eintrag und Ihre Reaktion darauf: Eine Kaskade von Projektionen, ohne wirklich argumentativ Stellung zu beziehen.

    Ich bin stolz darauf, sagen zu können: ICH schreibe NICHT, die US-Gefängnisse seien “voll von Afroamerikanern, weil die die meisten Verbrechen begehen”, ich finde es im Gegenteil einen Skandal erster Güte und gelebte Apartheit und Rassismus, daß in den USA etliche Male soviele Afroamerikaner hinter Gittern sitzen wie Anehörige anderer Ethnien, daß unter den Afroamerikanern die Anzahl unschuldig Verurteilter so skandalös hoch ist, daß man von der amerikanischen Justiz nur als Unrechtssystem sprechen kann, und daß meiner Ansicht nach staatlich sanktionierte Tötungen überhaupt nicht zu rechtfertigen sind. Aber darum geht es hier nicht.

    Ich stimme Ihnen außerdem völlig zu: “Wer das Leben einiger promiskuitiver Männer pauschal zur “realexistierenden Praxis männlicher Bisexualität” hochstilisiert ist Biphobiker.” Doch wer tut das? Wie? Wo? Und was wäre überhaupt gegen Promiskuitivität einzuwenden? Ich bin selber promisk und bi … Sie nicht?

    Ich werde mir nunmehr mit großer Neugier mal Ihr ganzes Blog anschauen. Ich bin gespannt, was ich daraus für einen Eindruck über Sie gewinne.

    • Deef sagt:

      Lieber Felix,

      dann fangen Sie mit dem Lesen gerne mit dem Artikel oben an. Er beantwortet Ihre Frage nach dem “wer”.

      Sie sagen, Sie legen “Köder” aus. Das wirkt wenig sachlich auf mich. Sie “gruseln” sich vor meiner Rechtschreibung, machen selbst Fehler, möchten aber selbst keine Kritik hören. Das wirkt selbstgerecht. Sie ignorieren meine Argumentation, unterstellen mir Projektion und projezieren in meinen erläuternden Vergleich einen Rassismusvorwurf hinein. Das wirkt wie absichtliches Missverstehen. Das unterstellen Sie mir allerdings auch, was wie beabsichtigte Provokation wirkt.

      Ich unterstelle Ihnen damit gar nichts, ich lasse Sie nur wissen, wie Sie auf mich wirken. Alles was an weiteren Kommentaren kommt und in Richtung Troll geht, wird nicht freigeschaltet.

    • Sialin sagt:

      Zur formellen Aufklärung über das Apostroph (-ganz nebenbei fast inhaltsfremd bemerkt):
      Dies hier ´ (“Adriano´s”) ist kein Apostroph und das hier ` (“für `s”) erst recht nicht,- es handelt sich um französische Akzente (“élève”).
      Das echte Apostroph sieht so aus: ‘
      (damit’s mal richtig zur Geltung kommt.)
      Auch Felix sollte es normalerweise auf der Tastatur neben dem Ä auf der Raute-Taste finden und per Umschalt (shift) an die Stelle abfeuern können, wo es tatsächlich gebraucht wird…

  7. Felix Müller sagt:

    Kleine Tippfehler bitte ich zu entschuldigen: Promiskuitivität ist ein so übles Wort, und manchmal hakt die Tastaur. ;-)

  8. Adriano sagt:

    Ihnen, Deef, ist es immer sehr wichtig, dass alle gleich wissen, wie man auf Sie wirkt, das hatten Sie mir schon nach meiner ersten Reaktion mitgeteilt. Sie alleine zählen, weil Sie sich hier so mächtig fühlen. Sie benehmen sich wie der Oberguru der Bisexualität, einer aber, der sich nichts sagen lässt – aber es doch nicht fertigbringt, eine objektive Buchkritik zu schreiben, weil er Bücher in den Dreck wirft, die er nicht einmal von A bis Z gelesen hat. Ich habe nichts gegen eine schlechte Kritik (wenn sie nicht beleidigend ist); wusste genau, das mein Buch polarisieren würde. Aber etwas mehr Professionalität und Fundiertheit wäre auf dieser interessanten und wichtigen Homepage schon zu erwarten.

  9. Adriano sagt:

    Und übrigens: Genitiv-Apostrophe nach Personennamen, die nicht mit stimmlosen S-Lauten enden, finde ich – als Kosmopolit – ganz reizvoll, es kommt vom Englischen. In Bern befindet sich eine exzellente Bar mit Kaffeerösterei, die sich offiziell “Adriano’s Bar & Café” nennt. Die Deutschen hatten solche Anglizismen aus purem Engländerhass in ihrer Rechtschreibungsreform von 1901 als Fehler erklärt. So verliert die deutsche Sprache etwas englischen Humor :-)

  10. Felix Müller sagt:

    “Alles was an weiteren Kommentaren kommt und in Richtung Troll geht, wird nicht freigeschaltet.” Eine wunderbare Art, Zensur zu üben und jegliche weitere Auseinandersetzung zu unterbinden. Und ein Satz, der für sich spricht. Seien Sie versichert, daß ich hier nicht weiter poste.

  11. Thommen_61 sagt:

    Ich habe das Buch leider noch nicht lesen können. Aber ich habe als Schwuler so meine Erfahrungen mit bisexuellen Männern. Und schon die Reaktion des Kritikers hier zeigt, wie tief er wohl getroffen wurde! Aber ich kann Euch trösten, am Anfang der Schwulenbewegung wollten die Homosexuellen auch nicht in ihren Spiegel schauen, weil sie darob erschraken…
    Auch ist es wohl schwierig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn mann sich nicht mit dem Inhalt identifizieren kann. Nun, als Schwuler kann ich mich auch nicht mit jedem Homosexuellen identifizieren, geschweige denn noch mit jedem Bisexuellen. Diese sitzen echt in der Klemme der bürgerlichen Doppelmoral! Die meisten wollen den schwulen Honig geniessen, ohne sich den Mund klebrig machen zu wollen…
    Ich möchte nur darauf hin weisen, dass 30 % von befragten australischen Bisexuellen lieber sich umbringen wollten, als ihren Frauen von ihren Bedürfnissen zu erzählen.
    Auch darauf hin, dass sehr viele Homosexuelle zu Depressionen und Selbstmord neigen. Und genauso wie die Wut des Kritikers heraufgestiegen sind, steigen bei vielen Männern das schlechte Gewissen und ein Schuldbewusstsein hoch, das sie existenziell bedroht. Und dies ist so tief vergraben, dass die Betroffenen nie zu fragen wagen, woher sie das denn bekommen haben. Doch der Begriff “Gesellschaft” ist eben weiblich! ;))
    Ich melde mich wieder, wenn ich das Buch ganz gelesen habe! :)

    • Deef sagt:

      Hallo Thommen,

      Die meisten wollen den schwulen Honig geniessen, ohne sich den Mund klebrig machen zu wollen…

      Heißt was? Dass es zu kritisieren ist, dass es bisexuelle Männer gibt, die ungeoutet sind? Herrscht denn Outting-Pflicht? Sind ungeoutete Bisexuelle denn mehr zu kritisieren als ungeoutete und möglicherweise verheiratete Schwule? Und wer hat das denn gezählt, dass das “die meisten” so machen? Worauf ich hinaus will: solche Aussagen bringen nicht weiter. Wenn man erreichen möchte, dass sich mehr Bisexuelle outen, sollte man nicht mit Vorwürfen und/oder Vorurteilen daher kommen.

      Ich möchte nur darauf hin weisen, dass 30 % von befragten australischen Bisexuellen lieber sich umbringen wollten, als ihren Frauen von ihren Bedürfnissen zu erzählen.

      Haben Sie einen Link zu der Studie, bei der das heraus gekommen sein soll? Die würde ich mir gerne anschauen.

    • Aber ich kann Euch trösten, am Anfang der Schwulenbewegung wollten die Homosexuellen auch nicht in ihren Spiegel schauen, weil sie darob erschraken…

      Da könnte was dran sein, weswegen ich das Buch ja gerne lesen würde. Lieber Deef, hast Du Dein Verschenkexemplar an meine von Dir aus angeblichen Datenschutzgründen entgegen meine informationelle Selbstbestimmung zensierte Hausanschrift gesandt? Ich hab noch nichts im Kasten und würde mich über ein Gratisrezensionsexemplar sehr freuen.

      Ich möchte nur darauf hin weisen, dass 30 % von befragten australischen Bisexuellen lieber sich umbringen wollten, als ihren Frauen von ihren Bedürfnissen zu erzählen.
      Auch darauf hin, dass sehr viele Homosexuelle zu Depressionen und Selbstmord neigen. Und genauso wie die Wut des Kritikers heraufgestiegen sind, steigen bei vielen Männern das schlechte Gewissen und ein Schuldbewusstsein hoch, das sie existenziell bedroht. Und dies ist so tief vergraben, dass die Betroffenen nie zu fragen wagen, woher sie das denn bekommen haben.

      Ich kenne eine andere australische Studie von Anthony Jorm, nach der Homos inzwischen zumindest in ihrer gleichaltrigen Peergroup Akzeptanz finden, die versteckten Bisexuellen aber von beiden meist monosexuellen Partnern angefeindet werden und darum signifikant deprimierter sind, was ich am eigenen Leibe miterleben konnte, langsam ändert sich etwas daran durch Aktivisten wie Robyn Ochs, @bisexualitaet und @BisexualFTW.

  12. Adriano sagt:

    … und so lautete meine Eröffnungsrede an der Vernissage von “Kick Verlangen Leidenschaft:

    Vier Zürcher Buchhandlungen haben sozusagen den Schwanz eingezogen, als sie mein Pressematerial mit dem Coverbild erhielten. Daher haben mein Verleger und ich die Vernissage in einem unkomplizierten, etwas gemütlicheren Rahmen organisiert.

    Habe ein Buch geschrieben, nicht weil ich gerne schreibe, sondern weil ich Wichtiges mitteilen möchte. Ich hoffe, meine Kritiker werden vor allem dies berücksichtigen.

    Was das Sexuelle betrifft, wird unsere Gesellschaft nach wie vor von Religion, Traditionen und Doppelmoral geprägt. Viele wollen im 21. Jahrhundert einiges noch nicht für wahr halten, weil es ihnen einfach nicht passt, oder weil es ihr eigenes Leben durcheinander bringen könnte – nicht unbedingt weil es die Kirche zur Sünde erklärt hat.

    Als ich einmal in der Goldküste-S-Bahn unterwegs zu meinem Verleger war, sass im Abteil eine junge Dame, eingekleidet von den teuersten Boutiquen, so im Chefdisponentinnen- oder Chefsekretärinnen-Look. Sie las in einem Buch von Martin Suter. Ich dachte mir: dies passt doch ganz gut zusammen.

    Ich überlegte mir dann, wie etwa die Dame oder der Herr aussehen könnte, der, in der Bahn sitzend, in meinem Buch lesen würde, und stellte dabei fest, dass meine Leserschaft nicht so à la mode sein wird, und dies nicht nur wegen des Covers. Ich habe nämlich über eine Sorte Männer geschrieben, die dieses Buch gerade nicht kaufen können, oder es nur kaufen, um es im Geheimen zu lesen. Ihre Frauen oder Freundinnen, die es zuhause herumliegen sähen, würden nämlich Verdacht schöpfen.

    In schwulen Kreisen verursachte es bereits vor dem Erscheinen Kopfschütteln: Du, mit deinen blöden Heteros, diesen Wichsern, lass die doch einfach liegen! Heteros, die ab und zu Sex mit Schwulen haben, sind ohnehin verkappte Schwule, keine Bisexuelle!

    Gerade deshalb wollte ich schreiben; weil der Begriff „bisexuell“ missverstanden wird und derjenige: „Hetero mit Bi-Neigungen“ noch ziemlich unbekannt bleibt, ausser in einigen Fachstudien. Neuere Fachstudien haben inzwischen den Mehrzahl-Begriff „Bisexualitäten“ erfunden.

    Ein Hetero, der nur ab und zu mann-männlichen Sex treibt, ist noch lange kein verkappter Schwuler, noch lange kein Bisexueller! Bisexuelle sind solche, die es konstant mit beiden Geschlechtern treiben. Heteros mit Bi-Neigungen haben dann plötzlich kein Verlangen mehr, oder es lodert plötzlich kurz und dringend wieder auf. Davon gibt es zahlreiche: Im Internet outen sich welche immer öfter. Man hat sogar den Eindruck, dass in Schwulen-Chats derer mehr verkehren als 100%-ige Schwule.

    Mich haben solche Männer immer fasziniert, weil ich selbst vielleicht zu schmalspurig sexuell orientiert bin. Habe die typische, sehr oberflächliche Schwulenszene immer gemieden, und schäme mich nicht zu behaupten, dass mir zu viele Homos aufs Mal auf die Nerven gehen. Fragt man mich, ob ich homosexuell bin, antworte ich: Nein, bin nur ein Mann der lieber Sex mit Männern hat – also nicht nur mit schwulen.

    Es erstaunt mich auch nicht, dass bisher keine einzige Schwulen-Organisation auf die Bekanntgabe meines Buchs reagiert hat. Diese Gemeinschaft verschließt sich nach wie vor in ihren eigenen vier Wänden; kriegt ein Schwuler zufälligerweise einen Hetero in die Pfanne (meistens erfährt er so was erst danach), erzählt er es vor allem herum, um zu prahlen, dass es ihm wieder mal gelungen ist, einen Hetero zu verführen.

    Aber wie steht’s denn mit den Heteros, denen es gelingt Schwule zu verführen?

    Der Hauptgrund also für dieses Buch: Das Tabu eines Hetero-Mannes, der mit einem Mann fremdgeht.

    Ein Freund von mir schrieb mir einmal, dass jeder, der sich selbst befriedigt, eigentlich als homosexuell veranlagt zu betrachten sei.

    Zwar treten in der Literatur und im Film immer mehr Heteros mit Bi-Neigungen und Bisexuelle auf. Ein berühmtes Beispiel ist der Film „Brokeback Mountain“, dessen Protagonisten vom Publikum bloss als heimliche Schwule gesehen werden, und nicht als vermutliche Heteros mit Bi-Neigungen.

    Es kommt nun mal seit Jahrtausenden vor: auch ein Hetero kann einen Mann körperlich begehren, er kann sich sogar in ihn verlieben und nach wie vor seine Frau, seine Familie über alles lieben.

    Lässt er sich aber wegen eines Mannes scheiden, dann handelt es sich natürlich eher um ein verspätetes homosexuelles Coming-Out.

    Mein Titel beinhaltet die drei Zustände oder Stadien dieses Begehrens: Kick, einfach wegen des Kicks, ums einmalige Ausprobieren – Verlangen, weil es ab und zu wieder auftaucht – Leidenschaft, weil eventuell mehr daraus werden kann. In einem solchen Fall werden sogar Liebesbriefe, Liebes-Mails oder -SMS geschrieben.

    Ein viel oder gar alles sagendes Kompliment, das ich in meinem Leben schon ein paar Mal hören durfte bei einer intimeren Bekanntschaft mit einem Hetero: „Schade, bist Du keine Frau!“ Das war der Funke, der mich entzündete.

    Daraus hätte auch ein Fachbuch werden können, aber wer liest so was? Also habe ich mich für unter-haltsamere belletristische Formen entschieden, die ein breiteres Publikum interessieren könnten.

    Was ich aber bewusst auslasse, ist nach den Ursachen der Veranlagung solcher Männer zu suchen. Möchte einfach unverblümt berichten, was tatsächlich und tagtäglich so alles abgeht. Meistens geht es um Männer, die ein Doppelleben führen, doch es gibt schon viele, deren Partnerinnen Bescheid wissen.

    Last but not least, ist es mein Eindruck, dass sich die Grenzen zwischen sexuellen Orientierungen immer mehr verwischen.

    Zum Schluss noch den exakten Wortlaut einer Kontaktanzeige, die ich in meinem Buch zitiere und der ich sogar einen Oscar verleihe:

    „Hallo, Brokeback-Cowboy! Bist Du auch verheiratet und hast ev. Kinder? Ich lebe in XXXXX, ungeoutet, bin 39, aber sehe jünger und ganz normal aus; bin unbehaart am Körper, auf dem Kopf viele kurze, braune Haare. Weil mir halt manchmal einfach etwas fehlt, suche ich mir in der näheren Umgebung einen Kumpel, der ebenfalls gebunden ist. Bin 178 cm gross, athletisch, sportlich und humorvoll. Sofern die Chemie stimmt, würde ich gerne mit Dir joggen, schwimmen, biken, mich im Gras balgen, küssen und auch Sex haben – natürlich alles diskret. Für unsere Frauen (und die Öffentlichkeit, die das einen Scheissdreck angeht) soll es eine «normale» Männerfreundschaft sein. Dein Aussehen? Praktisch egal, am liebsten normal. Einfach keine Zicke mit zu hoher Stimme, keine Tunte mit affektiertem Getue, kein Kilo-Schmuckträger, aufgeschwemmter Fastfood-Liebhaber, Damenwäscheträger, Bär, Lederfetischist usw. Was zählt ist die gute Ausstrahlung. Packen wir’s an? Dann schreib mir doch einfach, ich freue mich, von Dir zu lesen.“

    Herzlichen Dank, dass Ihr vorbeigekommen seid!

    Adriano

    • Lieber Adriano, ich denke, Deine Streitbarkeit und Publizität hier werden Deinem Umsatz nur zuträglich sein. Danke für das oscarwürdige Zitat und das Eingeständnis, dass einige Ehefrauen durchaus eingeweiht sind.

  13. Paula sagt:

    Hallo Adriano und Kommentator_innen,

    eigentlich wollte ich mich aus diesem Gespräch heraushalten, da ich das Buch erstens nicht gelesen habe und ich zweitens gar nicht glaube, dass hier wirkliches Interesse an einer Diskussion besteht. Inzwischen finde ich den Tonfall hier aber mehr als anmaßend.

    Deef hat Ihr Buch gelesen und es nicht gemocht. Das passiert. Mich persönlich hätten Begriffe wie “Heteros mit Bi-Neigungen” vs. “echten Bisexuellen” oder “sexuelle Doppelmoral” auch dazu gebracht, das Werk gleich wieder wegzulegen. Das ist halt Geschmackssache, und Deef hat seine Meinung hier kundgetan. Das ist sein gutes Recht.

    Ebenso ist es Ihr gutes Recht, darauf zu antworten – doch fand ich den bissigen Ton bereits im ersten Kommentar befremdlich. Sie widersprechen ja grundsätzlich sowohl Deef als auch meiner Einstellung gegenüber Bisexualität (“100%ige Bisexuelle”, “Männer mit Bi-Neigungen” – für uns gibt es diese Kategorien schlichtweg nicht), sodass es eigentlich von vorneherein unmöglich ist, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

    Statt also einzusehen, dass nicht jede_r Ihr Buch mag, läuft hier seit einigen Tagen eine unangenehme Kommentarschlacht, die mit merkwürdigen E-Mails endet, die auch in meinen Augen einen bedrohlichen Unterton haben. Bitte akzeptieren Sie einfach, dass nicht jede_r ein Fan von ihrem Buch ist und dass es unterschiedliche Ansichten gibt, anstatt hier alle Männer in irgendwelche Pseudo-Töpfe zu packen (die vielleicht in Ihrem Alttag so vorkommen, deswegen aber noch längst nicht allgemeingültig sind) und Leute als “frustrierte Fundis” zu bezeichnen. Sparen Sie sich doch einfach Ihre und unsere Zeit und sehen Sie von weiteren Kommentaren zu Ihrem Buch ab, da sowieso kein fruchtbares Ergebnis dabei herauskommen wird.

    Vielen Dank.

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  15. gpfrot sagt:

    Ich bin auch einer dieser “falsch kategorisierten” Menschen. Es gibt von unsereins viel mehr als man glauben möchte, und ich fürchte, ihr streitet hier über unnötige Kategorisierungen und über des Kaisers Bart. Menschen und deren Verhalten sind nicht kategorisierbar, sie sind nämlich nun einmal so und einmal so und ihre – auch sexuellen – Bedürfnisse ändern sich im Laufe des Lebens mehrmals. Der Drang zu Kategorisierungen und Gruppenbildungen lösen leider nur Phobien aus, denn der Mensch will naturgemäss immer zur “stärkeren” Gruppe gehören. Seit der gesellschaftlichen Akzeptanz des “Gay Outings” gibt es leider einen immer stärkeren Trend zur Gruppenbildung und zur Unter-unter-untergruppenbildung, die sogar Phobien innerhalb der Bi- und Homosexuellenszene entstehen lässt, wie man an dieser Diskussion leicht erkennen kann.

    Ich führe ein heterosexuelles Leben, bin verheiratet, habe Kinder und liebe meine Frau. Voyeuristisch erregt mich lesbischer Sex mehr als Heterosexualität und tausendmal mehr als Homosexuelle Clips, und trotzdem bin ich wahrscheinlich einer jener Männer, der – obwohl er ein offiziell heterosexuelles Leben führt – mit einem bestimmten Freund ab und zu sexuelle Erfüllung findet. Dieser Mann führt übrigens ein ebenso heterosexuelles Leben mit Frau und Kind wie ich.

    Er und ich hatten zusammen schon erfüllenden Homosex als wir 14 waren, und auch mit 15.16.17.18 und 19. Trotzdem tanzten und schmusten wir mit Mädchen wenn wir fort gingen, und wir hatten auch – jeder für sich – Sex mit Mädchen, und es gefiel uns das auch.

    Mehrmals pro Jahr genossen wir zusammen aber auch unsere Dosis Männersex. Keinen Analverkehr, aber oral, frottage, und Handverkehr waren üblich und wir befriedigten uns beide bis zum Orgasmus.

    Ab 20 wurde das seltener, weil wir uns privat nicht mehr so oft alleine trafen, auch beruflich bedingt, und noch schwieriger, da wir heirateten bzw. Beziehungen mit einer Frau hatten. Dennoch konnten wir seltene Gelegenheiten finden, es ein bis zweimal pro Jahr zu tun. Ab 40 hatten wir wieder öfter Gelegenheit, und es ist immer noch für beide sehr befriedigend wenn wir uns privat treffen und mehrmals pro Jahr Männersex haben können. Ich habe einen “physisch-sexuellen Unterlegenheitsfetisch”, den mir ein anderer Mann – sexuell gesehen – besser befriedigen kann als eine Frau. Aber das ist sicher nicht der einzige Grund, warum es zwischen mir und diesem Freund eine jahrzehntelange erotische Spannung gibt.

    Haben wir unsere Frauen betrogen bzw. betrügen wir diese? Ja, wahrscheinlich, aber sicher nicht so wie viele andere Männer, die nebenbei ins Bordell gehen oder sich ihre Freundinnen halten. Würden wir uns lieber umbringen als unseren regelmässigen Männersex unseren Frauen zu gestehen, wie ein Poster weiter oben geschrieben hatte? Wahrscheinlich schon.

    Wir sind beide keinesfalls promiskuitiv. Wir suchen nicht nach anderen Männern, und wenn mein Freund nicht mehr will oder wollte (es gab zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr einige Jahre wo wir rein freundschaftlich aus gewissen Gründen nicht mehr miteinander konnten – Grund war eine Frau), dann kann ich auch auf den Männersex verzichten und er verbleibt dann maximal in meinen Masturbations-Fantasien. Falls er stirbt, dann wird es auch keinen anderen Mann für mich geben. Ich brauche keine Gay-Kontakte, weil ich mich nicht zu fremden Männern hingezogen fühle. Und das meine ich ganz ehrlich und das ist keine Schutzbehauptung.

    Also was bin ich nun? In welche Kategorie gehöre ich, als jemand, der mit einem einzigen Mann seit 40 Jahren mehrmals pro Jahr Sex hat (und dieser Mann ebenfalls auch nur mit mir Männersex hat(te), so viel ich jedenfalls weiss), wobei ich – ausgenommen meiner frühpubertären Jugend, niemals Sex mit einem anderen Mann als mit ihm hatte.

    Ich habe befriedigenden Sex mit meiner Frau, aber ich brauche auch ab und zu diese (geheime) Dosis mit meinem Freund. Stirbt er einmal oder geht diese Freundschaft zu Ende, dann ist es leider so und ich werde es akzeptieren. Es wird mir zwar etwas im Leben abgehen, aber ich brauche und suche dafür keinen Ersatz. Da bin ich sicher.

    Männer wie mich, die mit nur einem Mann eine geheime, auch sexuelle, Freundschaft pflegen, gibt es viel mehr als man denkt. Vermutlich sind es mehr als 10% der sogenannten “Heterosexuellen”. Sie sind nicht promiskuitiv, völlig im Verborgenen lebend, aber mit einem sexuellen Geheimnis, über das man aus sozialen und familiären Gründen nicht so sehr mit anderen Freunden am Stammtisch prahlt wie über jene junge Freundin oder den Quickie mit der Kellnerin, über die die Ehefrau gar nichts weiss. Das sind andere, intimere Geheimnisse.

    Schäme ich mich dafür? Keinesfalls. Aber Männer, die ein heterosexuelles Leben führen während sie mit dem besten Freund trotzdem noch ab und zu befriedigenden(!!) Sex haben, sind gesellschaftlich noch viel weniger akzeptiert und geduldet als geoutete Homosexuelle. Wir werden – aus dieser Diskussion ersichtlich – offenbar auch von geouteten Bi- und Homosexuellen angefeindet, dabei sind wir keinesfalls homophob, aber mich interessieren sexuell nun einmal sexuell keine anderen Männer als mein langjähriger, intimer Freund.

    Bitte kategorisiert mich jetzt, wenn ihr unbedingt Kategorien braucht. Vielen Dank.

    • Deef sagt:

      Hallo gpfrot,

      Der Drang zu Kategorisierungen und Gruppenbildungen lösen leider nur Phobien aus, denn der Mensch will naturgemäss immer zur “stärkeren” Gruppe gehören. Seit der gesellschaftlichen Akzeptanz des “Gay Outings” gibt es leider einen immer stärkeren Trend zur Gruppenbildung und zur Unter-unter-untergruppenbildung, die sogar Phobien innerhalb der Bi- und Homosexuellenszene entstehen lässt, wie man an dieser Diskussion leicht erkennen kann.

      Sehe keine Belege für diese pauschale Behauptung, selbst wenn es einzelne Fälle geben könnte, auf die deine Hypothese zutrifft.

      Es ist eine Frage, in was für einer Gesellschaft man leben möchte und an welchen Werten man sich orientiert. Ich will in Freiheit leben und so akzeptiert werden wie ich bin. Ich orientiere mich nicht an Personen, die selbst diskriminieren oder nichts gegen Diskriminierung tun.

      Menschen, die mal weibliche, mal männliche Partner haben, werden in ihrem Verhalten selten verstanden, oft missgedeutet (als hetero- oder homosexuell) oder es wird so getan, als sei das nur eine Phase (siehe hier und da). Um diese Diskriminierung benennen und bekämpfen zu können, braucht es einen Namen für die Gruppe von Menschen, die diese Diskriminierung betrifft. Es braucht gesellschaftliche Aufklärung, dass es nicht nur Hetero- und Homosexuelle gibt, sondern auch Bisexuelle gibt. Ohne Begriff, keine Aufklärung.

      Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass jeder, der Beziehungen zu mehr als einem Geschlecht pflegt oder pflegen könnte, sich bisexuell nennen muss. Wie du dich kategorisierst, ist deine Angelegenheit.

  16. gpfrot sagt:

    Hallo Deef,

    Danke für deine Antwort. Ich habe meinen Beitrag geschrieben, weil ich einige der Beiträge dieser Diskussion mehr als “neu-grenzziehend” denn als “grenzabbauend” verstanden hatte. Vielleicht sind es unterbewusste Phobien, die diese Abgrenzungen, Definitionen und Gruppenbildungen für manche Menschen notwendig machen.

    Ich bin der Meinung – ebenso wie viele Sexualwissenschaftler – dass jeder Mensch grundsätzlich bisexuell ist und auch fähig ist, erotische Erlebnisse mit jedem Geschlecht freudig geniessen zu können. Wer von sich selbst behauptet, dass er während seines ganzen Lebens noch nie bezüglich beider Geschlechter zumindest erotisch geträumt oder erregt nachgedacht hat, der lügt entweder oder der ist bereits so sehr von gesellschaftlichen Zwängen und/oder Phobien zerfressen, dass er sich das nicht selbst eingestehen kann und seine Gedanken und Fantasien deshalb strikt verleugnet.

    Warum muss ich dann Bisexualität überhaupt kategorisieren, wenn sie meiner Meinung nach grundsätzlich jeder Mensch sowohl emotional als auch sexuell “in sich birgt”?

    Jede neue Kategorisierung, jeder neue Begriff, jede neue Gruppe, veranlasst uns, unsere Sexualität und unsere sexuellen Fantasien nicht natürlich und frei und ohne Hemmungen mit dem Partner zu geniessen, sondern uns über eine Gruppen-Zugehörigkeit, über “Muss” oder “Zwang” oder “Dürfen”, oder aber sogar über die sogenannte “Unnatürlichkeit” Gedanken zu machen. Genau das tötet dann aber die Lust und die persönliche Befreiung.

    Was ich damit ausdrücken möchte: Würde ich mich als Heterosexueller darstellen wollen, dann müsste ich Gewissensbisse und schlechte Gefühle haben, wenn ich mit meinem Freund Sex habe. Würde ich mich als Homosexueller darstellen wollen, dann müsste ich Gewissensbisse und schlechte Gefühle haben, wenn ich mit meiner Frau Sex habe. Und würde ich mich als Bisexueller darstellen, dann müsste ich Gewissensbisse und schlechte Gefühle haben, wenn ich einmal 2 oder 3 Jahre lang keinen Sex mit meinem besten Freund hatte und womöglich versuchen, neue Männer kennenzuzlernen? Aber das ist alles nicht der Fall. Ich fühle mich als Mensch der bei beiden Geschlechtern Lust empfinden kann, aber eben nicht mit allen Menschen des einen oder des anderen Geschlechts.

    Für mich ist der Mensch und die Beziehung, die ich zu ihm habe, wichtig. Nicht das Geschlecht. Wenn sich die schönste Frau vor mir auszieht, dann ist mir das vollkommen egal und erregt mich so sehr wie der Eisbär im Zoo. Warum? Weil ich diese Frau nicht kenne und sie für mich ein fremder Mensch ist. Und genau das Selbe geschieht mit mir, wenn sich der schönste Mann vor mir ausziehen würde. Er würde ebenso “errgend” wie der Eisbär im Zoo für mich sein, eben weil ich ihn nicht kenne und weder eine geistige noch eine emotionale oder intime Beziehung zu ihm habe.

    Daher brauche ich mich nicht zu kategorisieren, denn meine Kategorie heisst “Mensch”.

    Noch ein Nachwort: Leider wird sowohl die Gay-Szene als auch die Bisexuellen Szene in Büchern als auch in Beiträgen viel zu oft mit der Promiskuitätsszene verwechselt. Männer, die der Promiskuität frönen gibt es genau so viele oder noch mehr auch in der “Heterosexuellen-Szene”. Meiner Meinung ist aber das, was hier “typisiert” dargestellt wird, aber nicht die Realität und betrifft nur einen kleinen Prozentsatz sowohl der Homoisexuellen- als auch der Heterosexuellen Szene. Nur wenige sogenannte Bisexuelle sind sogenannte Cruiser oder bezahlen sich “Strichbuben”. Das ist nicht der typisch bisexuelle Mann, der trägt seine gelebte Homosexualität nämlich nicht an die Öffentlichkeit. Es ist aber der Prozentsatz jener Männer, die man öffentlich sieht, die sich outen, der dann in der Öffentlichkeit sichtbar ist, aber es betrifft das nicht die Wirklichkeit. Auch in Umfragen werden sich die meisten dieser Männer, die befriedigenden aber (monogamen) Sex mit beiderlei Geschlecht haben, ebenfalls nicht outen.

    Bei mir und Männern meinesgleichen ist deshalb weder die Homosexualität noch die Heterosexualität deutlich sichtbar, weil ich meine Sexualität nicht öffentlich bzw. auch nicht promiskuitiv lebe und auch seit Jahrzehnten kein Bedürfnis nach anderen Männern oder Frauen gehabt habe. Bin ich eine Minderheit? Ich glaube nicht. Vielleicht gehöre ich zu einer Minderheit in dem Sinne, dass ich meine Bisexualität als menschlich akzeptiere und ich weder die Homo- noch die Heterosexualität hinteerfrage sondern die Sexualität einfach nur als Mensch geniesse. Durch das Nichthinterfragen erspare ich mir auch, etwaige Phobien in mir zu erzeugen.

    • Deef sagt:

      Hallo gpfrot,

      Warum muss ich dann Bisexualität überhaupt kategorisieren, wenn sie meiner Meinung nach grundsätzlich jeder Mensch sowohl emotional als auch sexuell “in sich birgt”?

      Du musst gar nichts. Warum ich es für richtig halte, mehr über Bisexualität aufzuklären, siehe meine letzte Antwort an dich.

      Leider wird sowohl die Gay-Szene als auch die Bisexuellen Szene in Büchern als auch in Beiträgen viel zu oft mit der Promiskuitätsszene verwechselt. Männer, die der Promiskuität frönen gibt es genau so viele oder noch mehr auch in der “Heterosexuellen-Szene”.

      Stimmt. Das ist eines der Vorurteile, gegen das wir mit Aufklärung vorgehen möchten. Siehe z.b hier. Oder auch den Artikel zu dem Buch oben.

      Bei mir und Männern meinesgleichen ist deshalb weder die Homosexualität noch die Heterosexualität deutlich sichtbar

      In unserer Gesellschaft wird gemeinhin von Heterosexualität als “Standard” ausgegangen. Siehe dazu Heteronormativität. Das führt dazu, dass wenn du mit deiner Frau und deinen Kindern z.B. spazieren gehst, andere Personen üblicherweise davon ausgehen, dass Du heterosexuell bist. Egal, ob du das möchtest oder nicht. Würdest Du mit deinem Freund Hand in Hand spazierengehen, werden andere Personen wahrscheinlich annehmen, dass Du homosexuell bist. Du – oder wer auch immer – möchte, kann versuchen dem abzuhelfen, in dem er oder sie fordert, die Gesellschaft möge ihre Kategorien für sexuelle Orientierungen abschaffen. Ich halte es für wirkungsvoller, über Bisexualität aufklären und öffentlich gegen Vorurteile vorzugehen.

      Viele Grüße

      Deef

  17. ryuu sagt:

    Zum Thema “Warum muß ich meine Sexualität überhaupt kategorisieren” habe ich anhand meiner Erfahrungen erst letztens was geschrieben. Meine Perspektive ist zwar eine lesbische, aber vieles ist übertragbar.
    Nicht-Kategorisieren wäre praktikabel, wenn ich ohne lautstarkes, explizites Zeigen einer nicht-Mainstream-Identität (oft genug wird meine Selbstzuschreibung ja ignoriert, mir z.B. einfach mein Lesbischsein nicht geglaubt, weil ich “nicht so aussehe”) nicht ungefragt in diese Mainstream-Kategorie gesteckt würde, was aber (Deef hat das Stichwort genannt) qua Heteronormativität passiert. Mir wird da ein Lebensentwurf unterstellt, der nicht meiner ist; das fühlt sich wie eine Lüge an und zumindest in für mich relevanten Kontexten ist diese Unterstellung für mich untragbar.

    Und, gpfrot, Du benennst in Deinem Kommentar eine ganz wesentliche Sache: Das mit der Heimlichkeit. Wenn das für Dich funktioniert, prima, aber für viele andere ist das Gift.
    Ich möchte meine (hypothetische, derzeit lebe ich single) Liebe nicht im Geheimen leben, sondern sie als vollwertige Beziehung gewürdigt sehen, und da ist noch viel zu tun.

    • gpfrot sagt:

      ryuu, danke für deinen hilfreichen Kommentar.

      Vielleicht darf ich eine Ergänzung zur “Heimlichkeit” bzw. zum “Geheimnis” anführen: Ich fühle mich natürlich nicht wohl wenn ich ein “Geheimnis” haben muss. Dieses Geheimnis ist aber notwendig, um meine Ehe aufrecht erhalten zu können. Wahrscheinlich wäre es für meine Frau nicht schlimmer zu erfahren, dass ich mit meinem besten Freund hie und da Sex habe, als dass ich ihr beichten müsste, ich hätte eine Freundin mit der ich Sex habe, neben ihr (was ich aber nicht habe). In beiden Situationen müsste ich wohl oder übel ein Geheimnis daraus machen. Ich weiss, dass Geheimnisse nicht gut sind in Beziehungen, aber hie und da sind sie lebensnotwendig. Ich weiss nicht einmal, ob ich dabei meine Frau betrüge. Wahrscheinlich schon, obwohl ich persönlich das nicht so eng sehe. Hätte sie nebenbei ab und zu Sex mit einer Frau, es würde mich nicht stören. Sie weiss sogar, dass ich mit diesem Mann Sex hatte als wir pubertierende Jungs waren, das hatte ich ihr erzählt, aber sie weiss nicht, bzw. habe ich ihr nie gestanden, dass wir bis heute noch Sex haben, obgleich sich dieses Erlebnis mit meinem Freund auf wenige Male im Jahr beschränkt.

      Natürlich werden jetzt Unbeteiligte kommen, und mir vorschlagen, ich sollte endlich mutig genug sein und mich vor ihr outen. Aber wäre das tatsächlich für uns beide sinnvoll? Ich kann meine Sexualität mit einer Frau überhaupt nicht mit der Sexualität mit einem Mann vergleichen. Es ist für mich nicht vergleichbar, da es für mich etwas ganz Anderes ist das auch völlig andere Empfindungen in mir auslöst, obwohl beides in der Regel natürlich mit einem Orgasmus endet. Aber selbst da habe ich beim Sex mit Frauen andere Empfindungen als beim (nicht-analen) Sex mit diesem Mann.

      Also Zusammengefasst: Ich mache kein Geheimnis daraus dass ich – so wie vermutlich alle anderen Menschen auch – bisexuell bin, ich mache aber ein Geheminis daraus, dass ich in meiner Ehe auch noch ab und zu Sex mit einem Mann (hatte/habe), genauso wie wenn ich ein Geheimnis daraus machen würde, falls ich neben meiner Ehe ein sexuelles Verhältnis mit einer anderen Frau hätte.

      Ich hoffe, das erklärt den Unterschied, warum ich es “Geheim” halte. Ich kann natürlich nicht für meine Zukunft sprechen, obwohl ich schon relativ alt geworden bin, aber ich habe grundsätzlich kein Bedürfnis, mich nur aus sexueller Lust mit mir Unbekannten zu treffen oder sogar dafür zu bezahlen. Das machen promiskuitive Männer. Sollte mir aber einmal jemand zufällig begegnen – egal welchen Geschlechts – mit dem ich Vertrauen, geistige Innigkeit und Intimität teilen kann, dann kann ich natürlich nicht ausschliessen, dass bei gegenseitiger erotischer Anziehung auch Sex daraus werden kann. Aber ein Suchender bin ich nicht, schon gar nicht nach einem bestimmten Geschlecht. Mir ist für die lustgebende Erotik der Mensch wichtig, aber keinesfalls dessen Geschlecht.

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