Buchvorstellung “In one person” von John Irving

Filme, Bücher oder andere Medien sind selten mit bisexuellen Darstellern, um so mehr freuen wir uns, wenn ein Buch erscheint, in dem der Protagonist bisexuell ist. Anne hat uns eine kurze Rezension geschrieben. Zurzeit gibt es das Buch leider nur auf Englisch. Sobald es in Deutsch erscheint, geben wir das auf den Blog bekannt. Danke Anne für die Rezension:


Rezension In one person von John Irving John Irving schreibt gern über Dinge von denen er was versteht: Über die Neuenglandstaten, wo er gelebt hat, über das Ringen, den Sport den er lange ausgeübt hat und über das „Anders sein“. All das findet sich auch in seinem neuesten Buch wieder. Er hat es laut einem Interview unter anderem für seinen Sohn geschrieben, der gerade sein Coming Out als schwuler Mann hatte. In dem Buch „ In One Person“ begleiten wir als Leser den jungen Billy von seiner Jugend bis ins Jahr 2010. Ein wenig erinnert das Buch, an das Buch mit dem er seinen Durchbruch hatte „Garp und wie er die Welt sah“, da auch in diesem Buch mehr als genug skurrile, aber liebenswerte Außenseiter auftauchen und das Spiel mit den Geschlechtern manchmal undurchschaubar wird. Der junge Billy bemerkt seine Bisexualität sehr früh, als er sich gleichzeitig in seinen Stiefvater und in die Bibliothekarin seiner Kleinstadt verknallt. Obwohl in keinem Fall eine Beziehung daraus wird, haben beide Personen das ganze Buch über einen wichtigen Part in Billys Leben.

Sein Stiefvater bringt in ihn in die Schauspielgruppe seiner Schule und da es eine reine Jungenschule ist, werden auch die weiblichen Rollen teilweise mit Männern besetzt, ganz im Sinne von Shakespeare. Nicht nur für Billy ist das eine gute Gelegenheit seine weiblichen Anteile zu leben, auch sein Großvater entpuppt sich als „Crossdresser“.

In der Schule beginnen zwei weitere Beziehungen, die sein Leben prägen werden: Eine enge Freundschaft zu einem gleichaltrigen Mädchen, Elaine, mit dem ihn eher die Sehnsucht nach dem schönsten Ringer der Schule verbindet, als das sie ein wirkliches Liebespaar abgeben. Mit Elaine wird er sein ganzes Leben eine Freundschaft haben, aber auch der schöne Ringer bleibt auf eine Art präsent, denn ihn umgibt ein Geheimnis, das von Billys eigenen Problemen gar nicht weit weg ist.

Am Anfang fand ich das Buch etwas sperrig. Das mag zum einen daran liegen, dass ich es auf Englisch gelesen habe, aber der Wortschatz manchmal recht ungewöhnlich ist und zum andern weil am Anfang viele Shakespeare Stücke eine Rolle spielen für den Fortgang der Geschichte und ich nicht so literaturfest war. Je älter Billy wurde, desto gefesselter wurde ich, weil ich vieles sehr ähnlich erlebt: Die Versuche, sich mit Frauen und Männern zu verbinden und immer auf der Suche nach dem eigenen Weg, seine Bisexualität zu leben.

Familiengeheimnisse machen es Billy nicht gerade leichter: Die Frage, wer und was sein leiblicher Vater war, lässt ihn bis ins hohe Alter nicht los. Er entwickelt eine starke Zuneigung zu transsexuellen Frauen und schafft es im Laufe der Zeit immer mehr sein Leben so zu gestalten, wie es sich wünscht als Schriftsteller und als Partner und Freund. In den 80igern bricht auch in sein Leben AIDS ein und er verliert Freunde und Weggefährten.

Am Ende der Geschichte findet er wieder zurück zu seinen Wurzeln und kann der neuen Generation Jugendlicher, die ihre sexuelle Identität suchen, helfen, ihren Weg zu gehen.

Ich habe das Buch gern gelesen und war glücklich über das Ende, das nicht perfekt, aber gut genug war um mir ein gutes Gefühl zu geben – wie im wirklichen Leben..

Anne

Link zur englischen Webseite des Buches: http://john-irving.com/in-one-person-by-john-irving/

1 Kommentar zu Buchvorstellung “In one person” von John Irving

  1. Das Buch gibt es seit September in Deutscher Sprache: „In einer Person“ und ist im Diogenes Verlag erschienen.

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